Ueber cystoskopisch nachweisbare Blasenveränderungen bei Uteruscarcinom

Willi Hirt, Roland Sticher
1903 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
In der vorliegenden Arbeit rühren die gynäkologisehen Untersuehungsbefunde und Operationsbemerkungen in den Krankengeschichten von Dr. Sticher, die cystoskopisehen Befunde, sowie säiumtliche übrigen Ausführungen you Dr. Hirt her. Herrn Ge.heimrath Kils tn er statten wir für die gütige Ueberlassung des Krankenmaterials seiner Klinik unsern ergebensten Dank ab. Von den Krankengeschichten sind, den Bedürfnissen dieser Wochenschrift entsprechend, nur sechs im kürzesten Auszuge der Arbeit beigefügt.
more » ... r Arbeit beigefügt. In der deutschen Litteratur liegen bisher über cystoskopisch nachweisbare Blasenveränderungen bei Uteruscarcinom, soweit mir bekannt ist, ausführliche Arbeiten von Winter (Gynäkologisehe Diagnostik und Zeitschrift für Geburtshilfe und Gynäkologie, Bd. XXXVI), von K o 1 is o h e r (Erkrankungen der weiblichen Hamröhre und Blase, Centralbiatt für Gynäkologie 1895, Verhandlungen der deutschen Gesellschaft für Gynäkologie Bd. VI), von Zangemeister (Archiv für Gynäkologie Bd. LXIII) vor, sowie einige kurze Bemerkungen Viertel's in Veith's Handbuch. Winter sowohl wie Zangemeister sind der Frage näher getreten, ob und inwieweit aus den Blasenveränderungen Schlüsse auf die Ausbreitung des Carcinoms gezogen werden könnten. Zangemeister kommt zu ganz bestimmten Resultaten, die er in einer Tabelle zusammenfasst; er unterscheidet Veränderungen in dem Blase, bei denen seiner Erfahrung nach das Uteruscarcinom operabel, solche, bei denen es meist nicht operabel und solche, bei denen es immer inoperabel ist. Bei der grossen Bedeutung, die diesen Schlüssen innewohnt, hielten wir es für durchaus angebracht, eine Anzahl carcinomkmanker Frauen aus der hiesigen Klinik zu cystoskopiren und ihren Blasenbefund mit dem gynäkologischen Untersuchungsbefunde und eventuell Operationsbefunde zu vergleichen. Und besonders wichtig erschien es mir, die pathologisch-anotomischen Blasenbefunde bei nicht carcinomkranken Frauen, die in der Litteratur beschrieben sind, oder die ich an anderem Mhteriale gewonnen hatte, ebenfalls heranzuziehen. Denn nur so kann meiner Ansicht nach die Erkenntniss eine einigermaassen sichere werden, welche Blasenveränderungen für Uteruscarcinom charakteristisch sind, und welche auch bei anderen Erkrankungen, oder gar bei gesunden Blasen vorkommen. Wir haben 26 carcinomkranke Frauen untersucht, siebenmal handelte es sich um ein operables, zehnmal um ein inoperables Portiocarcinom, dreimal um ein operables, dreimal um ein inoperables Cervixcarcinom. In einem weiteren operabeln und ir' zwei inoperabein Fällen konnte der Entstehungsort nicht mehr mit Sicherheit festgestellt werden. Später (siehe Nachtrag) sind noch 28 Fälle cystoskopirt worden, so dass ich über 54 Fälle verfüge. Die Veränderungen, die wir in der Blase fanden, waren: Vorwölbung des Trigonum Lieutaudii, quere, parallele Faltenbildung im Blasengrunde und auf dem Trigonum, Unregelmässigkeiten im Sphincter internus, in der sogenannten Falte, ferner Balkenblase, fünftens Hämorrhagieen und andere Gefässveränderungen, Abnormitäten an den IJreterenmündungen, bullöses Oedem, sodann papillare Exkreszenzen, gröbere buckelförmige Vorwölbungen der Blasenschleimhaut, Ulzerationen. Das Lieutaud'sche Dreieck, d. h. die Gegend des Blasenbodens unmittelbar hinter dem Sphinkter, begrenzt nach hinten vom Ligamentum interuretericum und den beiden Ureterenmündungen, nach vorn vom Schliessmuskel selbst, ist auch unter normalen Verhältnissen von sehr verschiedener Grösse. Einmal sind die Ureteren verschieden weit vom Orificium internum urethrae entfernt; bald muss man das Cystoskop 2-3 cm tief in die Blase vorschieben, bis sie sichtbar werden, bald liegen sie dicht hinter dem Sphinkter, in seltenen Fällen so dicht, dass man sie bei verdicktem und gewuistetem Sphinkter überhaupt nicht zu Gesicht bringen kann. Sodann ist ihre Entfernung von einander sehr wechselnd; manchmal kann man sie cystoskopisch in einem Gesichtsfelde erblicken, manchmal muss man das Cystoskop erheblich um seine Achse drehen, wenn man jeden deutlich sehen will. Auch die Beziehungen des Trigonum zum übrigen Blasenboden sind in normalen Grenzen sehr verschieden. Oefters sind Ligamentum interuretericum und Ureterenwülste so wenig ausgebildet, dass die übrige Blasenschleimhaut ohne Andeutung irgend einer Differenz in das Trigonum übergeht, öfters aber bilden sie deutliche Absetzungen gegen die Umgebung, besonders gegen den dahinter gelegenen Theil, den sogenannten Bas-fond. Manchmal Ist das Trigonum so scharf gegen die übrige Blase abgesetzt, dass es eine flottirende Klappe darstellt. (Dittel.) Dieses Dokument wurde zum persönlichen Gebrauch heruntergeladen. Vervielfältigung nur mit Zustimmung des Verlages.
doi:10.1055/s-0028-1138759 fatcat:j7ubh3cz7jelrl4fpgbjgrwmtu