Modificationen, welche die Weinsäure und Traubensäure durch die Wärme erleiden

Edmund Frémy
1839 Journal für Praktische Chemie  
T r n u b e n s d u r e d u r c h d i e PVarme e r l e i d e n . Die Chemiker, welche i n den letzten Zeiten die Wirkung der Wiirme auP die organischen Siiuren mit SO vie1 Sorgfalt untersucht haben , beschiiftigten sich vornehmlich mit den verschiedenen Producten, die durch ihre Zersetzung entstehen. Ich glaubte; dass es vielleicht nicht ohne Interesse sein kijnnte, die Modificationen zu untersuchen, welche die Siiuren erleiden, eh0 sie brenzlichc Producte erzeugen. Die Weinslure, Traubensaure
more » ... lure, Traubensaure und Citronensiiure, welche ich bis jetzt unter diesem Gesichtspuncte untersuchte, boten mir gnnx merkwiirdige Erscheinungen dnr , und ich bin geneigt zu glnuben, dass andere Siiuren, denselben Einflussen unterworfen, iibnliche Reactionen hervorbringen. Ich werde in dieser Abhandlung blos die Modificationen betrachten , welche die Wein-sLure und Traubensiiure erleiden, und spiiter die mit der Citronensiiure erhaltenen Resultnte darlegen , welcbe belianntlich in ihrcn Verbindungen bis jetzt unerkliirliche Eigenthiimlichkeiten zeigt. B r a c o n n o t war der Erste, welcher bemerkte, dass die Weinsiiure, ivenn man sie bis z u einem gewissen Grade erhitzt , eine eigenthiirnliche Veriinderung erleidet , wodurch si0 ihre charakteristischen Eigenschaften verliert , und dieser Chemilier sah nachhcr, doss die modificirte Weinslure Iiach eioer gewissen Zeit ihre vorigen Eigenschaften wieder annehmen kijnne. Die Vcrsuche, von denen ich zu sprechen habe, wurden in der Absicht angestellt, diese Modification zu untersuchen und zu erkennen, unter welchen Bedingungen und welchen Einfliissen sic sich erzeugt. Ehe ich in die Details der von mir beobachteten Erscheinungen eingehe, glaube ich hier mit kurzen Worten die hauptsichlichslen Hesultate, zu denen ich gelarlgte, angebcn zu miissen. Die Reactionen, yon denen ich zu reden habe, hiingen dergestalt mit einander ausamrnen, dass ich unmijglich die einen verstandlich machen kijnnte, ohne zugleich ouzugeben, mie die anderen sich erzeugen. Journ. f. prakt. Chemie XVI. 6. 21 382 Fr C my, iib. Weinsiiure u. Tranbensiiure. Bis j e h t nahmen die Cliemiker allgemein an, dass die krystallisirte WeissLure durch C,H,05 f H,O und eio neutrales weinsaures Sals im Allgemeinen durch C, H, 0, f M 0 dargestellt werdc. Die von mir mit der Weinslure angestellten Versuche erkllren sich, glaube ich , Jeichter, wenn man die ltrystallisirte Weinssure durch C,Il,Ol0 f 2(H, 0), und ein neutrales weinsaures Salz durch C, Us O , , $. @TO) tlarstellt. Ich meiss, dass diesc Art, die Wcinsiiure darzustellen, mit den neuen Versuchen L i e big's und D u m a s ' s ubereinstimmt, wclche eine Umwiilzung in den Ansichten iiber die %usammensetzung dcr organischen Siuren veranlasst haben. Icb Will mich in tlicser Abhantllung auf die Angabe der von mir beobachteten Thatsachen bcschr$inken, die ich so sehr als mijglich zu corrtroliren micli bemiihte und dabei mich jeder theoretischen Er k liir n ng en t hie1 t. Wenn man Weinsiiure mit gewissen Vorsichtsinaassregeln, die ich in der Fulgc nngeben will, erhitzt, SO verliert sie zuerst dcn vierten Theil tles Wassers, welchen sie im krystallisirten Zustantlc enthielt, untl inan erliiilt eine neue SCure, die durcti rolgende Formel thrgestellt wertlen miiss: C, H, Ol0f 1.;.(H2 0). Diese SIiure unterschcidet sioh von dcr Weinsiiure durch alle ihre Eigenscharten, und verbindct sich , um neutrale Salxe zu biltlen , rnit andertlialb Atomen Basis. Pch habe sie Tartralsiiure gennnrkt. Erhitzt man die Tartralsiiure, so verliert sic noch mehr Wasser und wandelt sich in cine SIiure uin, die zur Formel C, Ils O" + HZ 0 hat. Die mit diewr Siiure gebildeten neutr;ilen S d e e enttialten nur 1 Atom Basis. Diese eweitc Sliire wurtle Tnrtrelsiiure genarint. Krhitxt man endlich die Tartrelsiiure noch inelir, so verliert sie ihr garixes Wnsser und wandelt sich in C,H, O" urn, d. 11. in wasserfreie Weinsiiure. Man knnn die TartralsSure als eine Verbindung der Weinsiiure mit Tartrelsiiure sich denken. Nach Aurstellung dieser Thatsachen will ich sogleich die Eigenschaften der Tartralsiure angeben. Tarlralsiiure. Als ich die auf einatider folgenden Modificationen der Weinsiiure zu untersuchen anfiog, musste ich zuerst mich dawn i u
doi:10.1002/prac.18390160176 fatcat:23xpiuqiznclnbbuhm7xjn4t5a