Das Verhalten der Gallenfarbstoffe in den Faeces Gesunder und Kranker bei Anstellung der Gmelin'schen Probe

Julius Rosentha
1891 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
Die Untersuchung der menschlichen Faeces und insbesondere die Mikroskopie derselben hat, zumal wenn man von den betreffenden kurzen Abschnitten in Lehr-und Handbüchern absieht, noch keine allzu grosse Litteratur gezeitigt. Ob der Grund fur diesen Mangel in der nicht gerade angenehmen Beschäftigung mit Dejectionen liegt, ob in der grossen Complicirtheit der Untersuchungen, ist muissig zu erörtern; jedenfalls wird man die vorhandenen Arbeiten als nicht gerade ausreichend bezeichnen dürfen zur
more » ... hnen dürfen zur Entscheidung der vielen, noch offenen Fragen. Abgesehen von den hie und da zerstreut niedergelegten Ansichten verschiedener Forscher, deren Zugänglichkeit naturgemäss sehr erschwert ist, finden sich, hauptsächlich noch aus ilterer Zeit, einige Specialabhandlungen über Untersuchungen von Faeces bei normalen oder pathologischen Verhältnissen, oder iiber die Bestandtheile der Dejectionen im Hinblick auf die aufgenommene Nahrung und die im Darmtract hinzugekommenen Se-und Excrete, ferner Abhandlungen, welche die Wirkung von Abführmitteln aller Art auf den Darmcanal der Thiere illustriren und ähnliche Aus neuerer Zeit stammt eine erwähnenswerthe Arbeit von Szydlowski, der in ziemlich ausführlicher Weise seine mikroskopischen Untersuchungen angestellt hat, und dessen Ergebnisse wohl auch im grossen und ganzen anerkannt sind. Unter den deutschen Forschern der Neuzeit ist Nothnagel der erste, welcher unter gerechter Würdigung der Bedürfnissfrage eine eingehendere Abhandlung über die Physiologie und Pathologie des Darmes geschrieben hat, eine Arbeit, in der er nicht bbs der bislang sehr stiefmütterlich behandelten experimentellen Erforschung auf diesem Gebiete einen breiten Raum gewährt hat, sondern, was besonders werthvoll, in der er auch den für die Diagnose maassgebenden Verhältnissen den ihnen gebuihrenden Platz einräumte. Unterliegt es doch keinem Zweifel, dass man in vielen Fällen aus dem Verhalten der Faeces nicht nur auf ein Leiden des Darmes überhaupt, sondern auch auf den Sitz der Krankheit an einer mehr oder weniger begrenzten Region desselben zu schliessen im Stande ist; und kann sich doch wohl kein Arzt der Mühe überheben, in einer Reihe zweifelhafter Fälle die Faeces einer genauen, sei es auch zunächst nur makroskopischen Untersuchung zur Stellung und Sicherung seiner Diagnose zu nnterziehen. Im Verlaufe dieses Winters habe ich unter der Aegide des 6. August. DEUTSCHE MEDICINISCIIE WOCHENSOIIRWT. 971 Dieses Dokument wurde zum persönlichen Gebrauch heruntergeladen. Vervielfältigung nur mit Zustimmung des Verlages. 972
doi:10.1055/s-0029-1206679 fatcat:4wicfsmz4ragrnxccmewrolbfa