Francia-Recensio 2012/2 Mittelalter-Moyen Âge (500-1500)

Tim Geelhaar, John Thomas
unpublished
(Hg.), Stiftung und Staat im Mittelalter. Eine byzantinisch-lateineuropäische Quellenanthologie in komparatistischer Perspektive, Berlin (Akademie Verlag) 2011, X-435 S. (StiftungsGeschichten, 6), ISBN 978-3-05-005134-5, EUR 148,00. rezensiert von/compte rendu rédigé par Norman Bade, Hamburg Mit der vorliegenden Quellenanthologie präsentieren Tim Geelhaar und John Thomas ein Ergebnis aus dem transkulturellen und internationalen Forschungsprojekt »Stiftungstod. Säkularisation von Kirchengut und
more » ... von Kirchengut und andere Gefährdungen für die Stiftungszwecke durch staatliche Gewalt in der lateinischen und griechisch-orthodoxen Christenheit des Mittelalters«, das von der Fritz Thyssen Stiftung finanziert und von Michael Borgolte geleitet wurde. Den enthaltenen Quellen voran geht eine ausführliche und detaillierte Einleitung, deren allgemeiner Teil (S. 3-17) nicht nur die Entwicklung und Grenzen der eigenen Fragestellung benennt, sondern darüber hinaus die theoretischen und methodischen Prämissen des Vorhabens transparent darlegt und in der gebotenen Kürze die einhergehenden Schwierigkeiten und Konsequenzen präzise formuliert. Hieran schließt sich eine ebenso konzise Übersicht über die ausgewählten lateinischen (S. 19-35) und byzantinischen (S. 37-46) Quellen sowie deren vergleichende Perspektive (S. 47-56) an. Abgeschlossen wird der einleitende Teil durch einen kurzen Exkurs zu einer der ideengebenden Auseinandersetzung mit dem Thema staatlicher Einflussnahme in Stiftungsbesitz im byzantinischen Reich (»The Charanis Thesis Revisited«, S. 57-68), der es dem Leser ermöglicht, anhand eines anschaulichen Beispiels nachzuvollziehen, welche Fragen, Lösungsversuche und grundsätzlichen Motivationen als treibende Kräfte in der Produktion der Anthologie gewirkt haben. Als Kernstück des Bandes folgt dann die Quellenauswahl aus dem 5. bis 15. Jahrhundert (lateinische, S. 94-303; byzantinische, S. 306-421), deren chronologische Anordnung und stets mitgelieferte Übersetzung (im Fall der byzantinischen Quellen oftmals erstmalig) es dem-auch nicht ausschließlich fachkundigen-Leser ermöglicht, Entwicklungslinien in der »staatlichen« Gefährdung von Stiftungsbesitz zu verfolgen und im byzantinisch/abendländischen Vergleich zu betrachten. Für eine eingehendere Auseinandersetzung mit der besagten Thematik haben die Herausgeber zusätzlich noch ein ausführliches Quellen-und Literaturverzeichnis (S. 71-91) bereitgestellt. Geelhaar und Thomas formulieren dezidiert drei Prämissen ihrer Anthologie und benennen diese gleichsam als Vorteile einer immer stärker disziplinübergreifenden Erforschung des Mittelalters.
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