Der unsittliche Einfluss des Krieges auf die Presse [Fortsetzung]

1916
obwohl dieser leicht zu erbringen wäre. Ein Offizier, der anders handelte, müsste ja ein Philosoph im Soldatenmantel sein, und deren gibt es nicht viele. Was dem Virtuosen der Konzertsaal, ist dem Offizier, und besonders dem hochstehenden, das Schlachtfeld, dort nur kann er zeigen, was er kann, dort nur winken ihm Orden und Ruhm, dort nur das begeisterte Lob der törichten Menge, deren Söhne er zum Tode führt. Die Abschaffung der stehenden Heere wäre nach Vorstehendem einer der wichtigsten
more » ... , den diejenigen Völker, die wirklich einen dauernden Frieden wünschen, bei den Friedensverhandlungen erzwingen müssten. Vielleicht wird diese Forderung der Friedensfreunde wegen des vollständigen finanziellen Zusammenbruchs der Völker leichter erreicht, als man hofft. Auf die Sehlde zurückkommend, müsste in ihr neben dem Wissen Weislieit gelehrt werd en, die einzige Weisheit, die es gibt : Christi Weisheit. Es müsste dein so bildungsfähigen, jugendlichen Gemüt immer und immer wieder eingeprägt werden, dass es zwar richtig und anerkennenswert ist, die Fähigkeiten, die man besitzt, auszubilden, dass aber die Kenntnisse, die man sich angeeignet hat, nur insoweit wirklichen Wert haben, als man sie nicht zu ausschliesslich egoistischem Erwerb zur Erlangung irdischen Genusses oder einer hohen Stellung benutzt, sondern wenn man sie in den Dienst seiner Mitmenschen stellt, den höchsten Lohn für sich selbst nur in innerer Befriedigung suchend. Ein wahrhaft glückliches und beglückendes Leben lässt sich nur führen, wenn uns Liebe erfüllt zu allen Menschen und wir diesen innerlichen geistigen Zustand nach aussen hin zum Ausdruck zu bringen suchen. Alle Religion lässt sich in zwei Worte fassen -Liebe und Dienst. Eine in solchen Ideen herangewachsene Jugend würde die beste Sicherung gegen neue Kriege sein. Man mag nun vielleicht sagen, diese Weisheit zu lehren sei Sache der Kirche. Nun wohl ich über--lasse es jedem zu beurteilen, ob sie diese Aufgabe erfüllt hat, wenn nicht, scheint sie nicht geeignet Feuilleton. Columbia im Glücke. Pazifistisches Fastnachtsspiel. Personen : Columbia. Simplicissimus. S. Columbia, ich möchte dich etwas fragen. C. Frage S. Sie sagen, du fürchtest dich vor dem Japaner. C. Vor dem? Hm! Ich fürchte mich natürlich nicht. Aber, um zu sehen, wo das hinauswill -Gut, nehmen wir an, ich fürchtete mich vor dem Japaner. S. Dann kannst du also nicht wünschen, dass er noch mächtiger wird? C. Um keinen Preis S. Wie, meinst du nun wohl, wird einer mächtiger? C. Nun, ich denke, indem er zu seiner alten Macht neue hinzu bekommt. S. Ganz recht, aber wird er nicht auch mächtiger dadurch, dass seine Gegner schwächer werden? C. Allerdings. S. Und ebenso durch die Schwächung derer, die zwar heute noch seine Freunde sind, aber aller Voraussicht nach morgen seine Gegner sein werden C. Auch das, ja. dazu zu sein. Jedenfalls hat eine Kirche, die Fahnen C. Ohne Zweifel. S. Und' der Krieg macht Europa schwächer? C. Er tut es. S. Je länger er dauert, je mehr? C. Täglich mehr. S. So macht der Krieg Japan also täglich mächtiger C. (nachdenklich). Das tut er wohl. S. Und wer ihn verlängert, stärkt Japan? C. Ja. -Verflucht! S. Verlängerst du nun wohl, den Krieg, indem du Munition und Kanonen nach Europa schickst C. Höre, ich merke schon, wo clas hinauswill. Die nächste Frage lautet : "Stärkst du also Japan, indem du Munition und Kanonen nach Europa schickst?" So gelangen wir denn glücklich zu dem Ergebnis, dass ich Japan selber mächtiger mache, was ich doch nicht wollte, und alsobin ich eine Gans. S. Und also bist dxi eine Gans. C. (sinnend) Eine ausgewachsene Gans. S. Eine ausgewachsene Gans.
doi:10.5169/seals-801843 fatcat:75o7nvcdffatjoquns4lbmzlsq