Brustkrebs: Systemische adjuvante Therapien sowie Behandlungsmöglichkeiten bei Metastasen

S Anchisi, M Stalder, R Obrist, M Suleiman, L Perey
2001 Swiss Medical Forum = Schweizerisches Medizin-Forum  
Ziel der adjuvanten Therapien ist eine Verminderung des Rezidiv-Risikos und der Brustkrebs-Mortalität nach einer lokalen Behandlung des Frühstadiums. Die Durchführung von randomisierten Studien und Metaanalysen ermöglicht eine exaktere Definition von Risiko-Gruppen, bei welchen adjuvante Therapien indiziert sind [1-3]. Hormontherapie Eine Behandlung mit Tamoxifen 20 mg täglich während 5 Jahren vermindert die Rezidivrate um 47% und die Mortalität über 10 Jahre um 26% bei Patientinnen mit
more » ... ntinnen mit Tumoren, die Östrogen-und/oder Progesteron-Rezeptoren aufweisen (HR+)*. Dieser Nutzen ist unabhängig vom Alter, vom Lymphknotenbefall und von der Applikation einer zusätzlichen Chemotherapie. Diese Behandlung vermindert signifikant das Auftreten eines kontralateralen Brustkrebses. Tamoxifen birgt das Risiko von thrombo-embolischen Komplikationen und des Auftretens eines Endometrium-Karzinoms. Diese Risiken sind jedoch unvergleichlich geringer als der Nutzen aus der zu erwartenden Senkung der Mortalität [4, 5]. Bei Patientinnen vor der Menopause mit HR+-Tumoren vermindert die ovarielle Suppression, sei es mit chirurgischer Ovarektomie oder mit Radiotherapie, signifikant die Rezidiv-Rate und die Mortalität im Vergleich mit einer Gruppe ohne systemische Behandlung [6]. Die Wirksamkeit medikamentöser LH-RH-Agonisten, mit oder ohne Kombination mit Tamoxifen, wurde ebenfalls studiert. Für eine abschliessende Beurteilung ist es noch zu früh. Die Anwendung anderer Hormonbehandlungen anstelle oder in Kombination mit Tamoxifen, z.B. Toremifen oder Aromatase-Inhibitoren (bei Frauen nach der Menopause) wird in mehreren laufenden Studien geprüft. Es besteht aktuell ein Konsens, dass jede Patientin mit einem invasiven, HR+-Brustkrebs über 1 cm eine adjuvante Therapie mit Tamoxifen während 5 Jahren erhalten soll. Chemotherapie Eine Chemotherapie über 3 bis 6 Monate erhöht die rezidivfreie Überlebenszeit und auch die gesamte Überlebenszeit bei Patientinnen bis zum Alter von 70 Jahren (die Daten fehlen noch für Patientinnen über 70 Jahre alt) [7]. Dieser Nutzen ist bei Patientinnen unter 50 Jahren grösser als bei jenen über 50, wobei die Rezidiv-Risiko-Verminderung 35% gegenüber 20% ausmacht, die Mortalitätssenkung 27% gegenüber 11% (Tab. 1). Art der Chemotherapie Die letzten Konsensbestimmungen führen zu folgenden Schlüssen [1-3]: Die Kombination von 2 oder mehren Substanzen ist einer Monotherapie überlegen. Eine Dosisverminderung, die nicht durch toxische Nebenwirkungen bedingt ist, vermindert ebenfalls den zu erwartenden Nutzen. Es ist daher jene Dosierung anzuwenden, die in Referenz-Publikationen angegeben werden (Grund-Dosis), unter Beachtung der Intervalle zwischen den Therapiezyklen. Die Chemotherapie mit Anthracyclinen (Epirubicin oder Doxorubicin) scheinen besser wirksam zu sein als CMF-Kombinationen (Cyclophosphamid, Methotrexat, 5-Fluorouracil), mit einem Gewinn der 10-Jahres-Überlebenszeit von 3,5%. Diese Zunahme ist nicht signifikant bei Patientinnen ohne Lymphknoten-Befall (N0). Anthracycline scheinen die Mortalität nicht zusätzlich infolge kardialer Ursachen zu erhöhen. Bei Patientinnen mit HR+-Tumoren bringt die Chemotherapie zusammen mit Tamoxifen einen Gewinn der Überlebenszeit im Vergleich mit einer alleinigen Chemotherapie vor der Menopause oder mit Tamoxifen allein nach der Menopause. Eine Kombination ist daher vorzuziehen insbesondere bei axillären Lymphknoten-Metastasen (N+). Der Stellenwert der Taxane (Taxol, Taxoter) bleibt noch offen. Die Ergebnisse einer ersten randomisierten Studie werden mit einer Analyse mit Langzeit-Kontrollen der Patientinnen verglichen. Diese Gegenüberstellung zeigt keinen zusätzlichen Nutzen in der Gruppe mit HR+-
doi:10.4414/smf.2001.04321 fatcat:fmsvavku4ne3tdg6q6fx2rztu4