Shakespeare/Brook ou de la fluidité [chapter]

Georges Banu
Raum - Dynamik / dynamique de l'espace  
Brook ist ein Mann des leeren Raums, des Konzeptionellen, an das er seine gesamte Theaterarbeit bindet. Trotz seines Misstrauens gegenüber Intellektuellen ist hier insbesondere ein »intellektueller« Regisseur als Bezugsgröße zu nennen: Jacques Copeau. Um das Theater zu reformieren, hatte dieser am Beginn des 20. Jahrhunderts eine leere Bühne (»le tréteau nu«) gefordert. Im Zeichen der Zurückweisung szenographischer Dekoration und der Suche nach einer »Dynamik« des Raums ist diese Forderung
more » ... iese Forderung häufig wieder aufgenommen worden. So versuchten etwa Craig und Appia in diesem Sinne das aufgeführte Werk stets mit einem in Bewegung gesetzten, freien und fließenden Raum zu begleiten: Der eine mit seinen »screens«, der andere mit variablen Bühnenelementen -ganz abgesehen von diversen »Apparaten des Darstellens« (»machines à jouer«), die von Svoboda oder Allio ausgearbeitet worden sind. Dieses kinematographische Unternehmen präsentiert sich zunächst als revolutionärer Weg, der Reaktion fordert: Der Bezug zu einer Immobilität »mentaler Landschaft« wird hergestellt, die insbesondere von Malern entwickelt wurde, deren Werke eine intensive Betrachtung und ein Feststellen des Bildes in der Zeitdauer fordern, oder auch für ein »architektonisch geordnetes Dispositiv« plädiert, das dem Schauspieler in seinem Spiel konkrete Grundlagen zur Verfügung stellt und die dreidimensionale Kohärenz von Körper und Dekor gewährleistet. Im Zentrum der okzidentalen Theaterarbeit hat Brook das Denken des Raums zu einem seiner Hauptdarsteller gemacht. Brook est l'homme de l'Espace vide, non seulement du livre célèbre, mais aussi du concept auquel il associa tout son théâtre. Il ne fut pas le premier, il a eu des précurseurs et, malgré sa méfiance des «intellectuels», c'est justement un metteur en scène intellectuel qui, au début du XX-ème siècle, Jacques Copeau qui réclama, pour réformer le théâtre, «le tréteau nu». Cette exigence sera souvent reprise au nom d'un même refus de la décoration scénographique et d'une même quête de «dynamisme» de l'espace. Dans cet esprit, Craig avec ses «screens», Appia avec ses «praticables», sans parler des diverses «machines à jouer» éla-
doi:10.14361/9783839402511-014 fatcat:kpkk47rrfzfexfaszdkeaqa4nq