GOTISCH DDɈ UND ALTNORDISCH GGɈ

W. BRAUNE
1884 Beiträge zur Geschichte der Deutschen Sprache und Literatur  
GOTISCH DDJ UND ALTNORDISCH GGJ. V eranlasst durch Kogels vorstehenden aufsatz möchte ich über die gleichung got. ddj = an. ggj noch einige beraerkungen machen. Es scheint, dass man der Übereinstimmung von got. twaddje = an. tveggja, got. waddjus = an. veggr, got. daddjan = aschvv. dceggia, got. *addi (krimgot. add) = an. egg deshalb weniger gewicht beigelegt hat, weil der hier vor j (jj) entwickelte consonant im got. und nordischen verschieden ist und man einen Vereinigungspunkt nicht gesehen
more » ... unkt nicht gesehen hat. In folge dessen erwähnt Zimmer (ostgerm. und westgerm. zs. fda. 19) wol das gg vor rv als gemeinsam ostgermanische erscheinung, dagegen das got. ddj = nord. ggj übergeht er mit stillschweigen. Auch sonst entsinne ich mich nicht, eine ausdrückliche hervorhebung der einheit dieser erscheinungen gefunden zu haben. Auf diese einheit weist aber schon deutlich die parallelität mit den erscheinungen bei w. Denn wie das germanische rvrv (w l nach Kögel) im got. und nord. einen gutturalen verschlusslaut vor sich entwickelt (got. ggw = an. ggv\ so müstcu wir auch erwarten, dass der aus germ, jj (j l ) entwickelte laut im gotischen und nordischen derselbe sei. Von ein phonetischen erwägungen ausgehend wird man es selbsterständlich finden, dass der vor w entwickelte gutturale verihlusslaut der hinteren (velaren) A'-reihe angehört: das gg im ot.-nord. vor w ist </ 2 . Wird dagegen vor j ein verschlusslaut utwickelt, so ist es das natürlichste, dass er an der articuitionsstelle des/ entstehe, also ein weit nach vorn liegendes alatales y (/ 1 ) sei. Diese palatale geltung dem nord. gg vor zu geben hindert nichts, ja nach allen sonstigen sprachlichen nalogien sind wir sogar gezwungen das gg in an. tveggja etc.
doi:10.1515/bgsl.1884.9.3.545 fatcat:246bgkctgva3jp6oemvf6xxfne