Der Wandel von Wettbewerbsregimen

Christian Dohmen, Horst Löwenberg, Christoph Strünck
2018 Zeitschrift für Politik  
Christian Dohmen/Horst Löwenberg/Christoph Strünck Der Wandel von Wettbewerbsregimen Konsequenzen für Wohlfahrtsverbände und Nutzer*innen am Beispiel der Kinder-und Jugendhilfe sowie der Eingliederungshilfe 1. Wettbewerb als Variante von governance Viele Theorien sozialer Dienstleistungen gehen davon aus, dass klassische Markt-und Wettbewerbsmechanismen eigentlich unwirksam seien. Der Preismechanismus sei aus sozialpolitischen Gründen ausgeschaltet, und als Vertrauensgüter müssten soziale
more » ... leistungen sowieso starken rechtlichen Regulierungen unterworfen sein. 1 Wenn Wettbewerb bei sozialen Dienstleistungen auftaucht, dann häufig in Form von Quasi-Märkten, oder Gruppenverhandlungen zwischen Leistungsträgern und Leistungsanbietern. 2 Wir konzentrieren uns in diesem Beitrag auf solche »Wettbewerbsregime« und analysieren sie anhand aktueller sozialpolitischer Veränderungen. Dabei unterscheiden wir Motive und Interessenlagen von Wirkungen. Und wir gehen davon aus, dass wettbewerblich ausgerichtete Instrumente im Governance-System sozialer Dienstleistungen nicht automatisch die Interessen der Nutzer*innen berücksichtigen. Das zeigt ein Vergleich der Kinder-und Jugendhilfe sowie der Eingliederungshilfe, deren politischen Wandel wir weiter unten skizzieren. Governance ist in der Politikwissenschaft längst zu einem Standard-Terminus geworden, der aber eher heuristisch als theoretisch tiefgehend verwendet wird. Gemeint sind verschiedene Formen, durch die kollektives Handeln koordiniert wird. Häufig ist mit governance »Steuerung« gemeint, in Abgrenzung zu »government« (im Sinne der Regierung als Institution). Regierungen können wichtige Akteure sein, aber es kommen eben noch andere hinzu, woraus sich unterschiedliche Formen geteilter (Steuerungs-)verantwortung ergeben. Wenn es um Steuerung im Sinne von governance geht, lassen sich außerdem Strukturen von Akteuren unterscheiden. Als idealtypische Strukturen (oder auch Koordinationsmodi) werden in der Regel der Wettbewerb, die Hierarchie sowie Netzwerke genannt, manchmal auch noch Verhandlungen. 3 Davon zu unterscheiden sind die Sektoren, die äquivalent als Markt,
doi:10.5771/0044-3360-2018-3-303 fatcat:e7oibihwsfhgfp2nynoe37vs44