ZUM OPUS IMPERFECTUM

WILHELM STREITBERG
1898 Beiträge zur Geschichte der Deutschen Sprache und Literatur  
Fr. Kauffmann befasst sich Zs. fdpli. 30, 431 mit einem passus meines Dresdener vortrage über das Opus imperfectum (vg'l. Verh. d. 44. vers. deutsch, philol. u. schulm. s. 121 f.) und nimmt Veranlassung·, mir bei dieser gelegenheit den vorwurf mangelnder Sorgfalt zu machen. Ich hätte wol erwarten dürfen, dass Kauffmann mit seiner beschuldigung gewartet hätte, bis die von mir versprochene Untersuchung erschienen wäre, anstatt gegen mich zu polemisieren, ohne mein beweismaterial zu kennen. Auch
more » ... l zu kennen. Auch hätte ich alle Ursache die frage aufzuwerfen, warum Kauffmann in seinem aufsatz über das Opus imperfectum (Beilage zur Allg. ztg. vom 24. febr. 1897) zwar der von mir als nicht beweiskräftig abgelehnten stelle über den gladius separationis (sp. 767 f.) ganze 22 zeilen einräumt, dagegen jene stelle auf sp. 896, die heute sein hauptbeweisstück bildet, mit absolutem stillschweigen übergangen hat. Der herkömmlichen art der beweisführung entspricht ein solches verfahren jedenfalls nicht, selbst dann nicht, wenn Kauffmann nur auf leser rechnen sollte, die das ganze Opus imperfectum ad hoc durchzuarbeiten willens wären. Wie dem auch sein mag, mir genügt es festzustellen, dass die behauptung, mir sei die stelle auf sp. 896 entgangen, unrichtig ist. Ich habe sie vielmehr in meinem vor trag ausführlich erörtert, wie ich durch mein manuscript jederzeit zu beweisen im stände bin. Ich sollte denken, mit demselben recht, mit dem Kauffmann fordert, dass man ihm eine nicht citierte stelle gutschreibe, hätte auch ich beanspruchen können, dass man voraussetze, nicht alle von mir in dem auf ein minimum reducierten referat übergangenen stellen seien mir unbekannt. Was die sache selbst anlangt, so kann ich in der von Kauffmann nachträglich beigebrachten stelle ebensowenig eine Brought to you by |
doi:10.1515/bgsl.1898.1898.23.574 fatcat:qhrupp4mfvdy3iq6ofc4wndp6a