Verhandlungen des Vereins für innere Medicin

1892 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
Das Protokoll der vorigen Sitzung wird verlesen und angenommen. Vorstandswahl und Geschäftsberichte (sind früher mitgeth eilt). Herr Renvers: Demonstration eines Magen-Diaphanoskops. Gestatten Sie mir. dass ich Ihnen auf den Wunsch des Autors, Herrn Dr: Heryng in Warschau, einen Magenheleuchtungsapparat vorzeige, mit welchem wir auf der I. Medicinischen Klinik in den letzten Wochen Versuche angestellt haben. Der kleine Apparat besteht im wesentlichen aus einer Edison-Lampe, die am unteren Ende
more » ... ie am unteren Ende einer weichen Schiundsonde befestigt, zur Verhinderung der Warmestrahiung von einer Glasglocke umgeben ist. Zwischen Lampe und Glocke wird durch Heberwirkung Wasser durchgeleitet. Die elektrische Leitung sowie die Wasserzuftihrung geschieht durch die ganze Länge der gewöhnlichen Schlundsonde. Mit einer Stöhrer-Batterie verbunden, leuchtet das Lämpchen mit einer Stärke von 4-8 Normalkerzen. Lässt man diesen Apparat nach Art einer Schiundsonde in den vorher vollständig entleerten Magen, so sieht man, vorausgesetzt, dass man in einem vollständig dunklen Raum den Versuch anstellt, bei aufrechter Stellung an der Bauchfläche zwischen Nabel und linkem Rippenrand eine etwa hühnereigrosse, hell durchleuchtete Fläche der Bauchwand. Diese leuchtende Stelle, der Lage des Lämpchens im Mageninnern entsprechend, verschiebt sich bis unter Nabelhöhe bei tieferer Einführung der Schlundsonde. Sind die umliegenden Darmschlingen mit Gas angefüllt, so werden auch diese, aber schwächer, durchleuchtet. Bläst man den Dickdarm mit Luft stark auf so erscheinen die Contouren desselben in der Nähe der Lichtquelle in Handtellergrösse matt durchleuchtet, durch schwache Schattenbildung von der Haupthichtquelle aber getrennt. Bringt man Luft in den Magen selbst, so ist die durchleuchtete Stelle an der Bauchwand etwa handtellergross, allein ein Schluss auf Lage und Gestalt des Magens ist daraus nicht zu entnehmen. Ueberraschend ist aber das Bild, welches man bei Beleuchtung des mit Wasser angefüllten Magens erhält. Je nach der Menge des eingeführten Wassers erscheint an der vorderen Bauchwand eine mehr oder weniger grosse, den Contouren des Magens entsprechende, roth durchleuchtete Stelle, innerhalb welcher man die Lage der Lichtquelle an der Intensität derDurchleuchtung deutlich erkennen kann. Schattenbildungen zeigen bei dünner Haut und starker Muskulatur die Lage der Mm. recti abdominis, sowie die Lage der linken unteren Rippenknorpel an. Noch deutlicher als bei leerem Magen werden auch die dem Magen anliegenden, mit Gas oder Wasser gefüllten Darmschlingen mit durchleuchtet, erscheinen aber vorn Magen stets durch eine leichte Schattenbildung getrennt. Will man aus der durchleuchteten Stelle der Bauchwand einen Schluss auf die Gestalt und Lage des Magens ziehen, so muss vor Anwendung des Diaphanoskops der Darm gründlich entleert, der Magen ausgespült werden und dann vor allem die Quantität Wasser berücksichtigt werden, mit welcher man den Magen anfällt. Der mit 300 cern Wasser angefüllte gesunde Magen zeigt ein ganz anderes Durchleuchtungsbild, als derselbe mit 1 Liter belastete Magen, dessen untere Curvatur bei aufrechter Stellung meist unter Nabelhöhe sich zeigt. Sowohl beim gegesunden wie beim dilatirten Magen erscheint die untere Magengrenze in Folge der Schwere des Wassers um zwei bis drei Finger breit tiefer, als dieselbe in liegender und aufrechter Stellung beim Aufblasen des Magens constatirt werden kann. Auf alle Fälle kann man mit dem Diaphanoskop sich ein Bild von der Form des Magens und der -zum Theil durch die Wasseranfällung bedingten -Lage desselben machen. Schwieriger wird es sein, Structurveränderungen an der vorderen Magenwand durch die Diaphanoskopie allein festzustellen. Um eine Schattenbildung innerhalb der durchleuchteten Magen-und Bauchiläche hervorzubringen, muss schon eine beträchtliche Veränderung des Magens Heruntergeladen von: NYU. Urheberrechtlich geschützt.
doi:10.1055/s-0029-1199465 fatcat:56lalq32mbcwnkfhgteirzauq4