Aussergewöhnliche Zeiten

Philippe Luchsinger
2020 Primary and Hospital Care  
Präsident mfe, Haus-und Kinderärzte Schweiz Freitag der 13., im März 2020, unsere Arbeitsgruppe zur Grundversorgung tagt, COVID-19 ist präsent. An dieser Sitzung erfahren wir von den Problemen, welche die Spitex beschäftigen, direkt von Spitex Schweiz, wir hören von den Sorgen der Heime durch curaviva, wir werden darüber informiert, wie die Gemeinden, die Städte und die Kantone die Situation einschätzen, wie sie sich wappnen. Der Zug nach Bern war deutlich geringer frequentiert, Abstandhalten
more » ... rt, Abstandhalten ist so möglich, die gegenseitige Rücksichtnahme, aber auch aufmunternde Blicke zeigen, dass die Situation etwas seltsam ist. Eigentlich freue ich mich auf die Skiferien, meine «Hauptferien», der Wetterbericht verspricht eine wunderbare Woche. Es hat nicht sollen sein: Die Schweiz steht still ab diesem Freitag, und statt Ferien in den Bergen heisst es organisieren in der Praxis, und mit Vorstand und Geschäftsstelle mfe klarmachen für das, was uns erwartet. Auch wenn wir gar nicht genau wissen, wie das aussieht. Eindrücklich zeichnet der DOK-Film von Andrea Pfalzgraf auf SRF nach, wie sich unsere Umgebung verändert hat, er zeigt die Wahrnehmung dieser aussergewöhnlichen Zeit auf, aber auch, wie sich unsere Ängste, Befürchtungen, Unsicherheiten in wenigen Wochen entwickelt haben (medien.srf.ch/-/-dok-das-virus-undwir). Wir werden als Gesellschaft und als Einzelne konfrontiert mit einer Situation, die wir noch nie erlebt haben, und müssen Wege finden, wie wir damit umgehen. Für die allermeisten von uns ist der Schritt von den bisherigen Alltagsgewohnheiten in die neue Situation eine schwierige Herausforderung. In allen Bereichen des täglichen Lebens müssen wir uns auf neue Gegebenheiten einstellen, nicht nur in unserem beruflichen Umfeld. In Krisensituationen muss die Führung bei den dafür vorgesehenen Behörden liegen. Bundesrat und BAG haben mit Augenmass der Schweizer Bevölkerung in dieser schwierigen Zeit den Weg gezeigt. Konsequent wurde die eingeschlagene Richtung beibehalten, trotz lauten Besserwissenden aus allen Ecken. Solche Partikularmeinungen hinterlassen primär eines: Sie verunsichern die Bevölkerung, und das in einer Zeit, in der gerade Klarheit und Sicherheit gefragt sind. Von Seiten mfe haben wir deshalb lange bewusst darauf verzichtet, uns verlauten zu lassen, um nicht mit den offiziellen Verlautbarungen zu interferieren. Unsere Aufgabe war es vielmehr, unsere Mitglieder in ihrer schwierigen Aufgabe zu unterstützen, deshalb haben wir uns darauf fokussiert. In unseren Membermails und in den «Fragen und Antworten» haben wir relevante Informationen bereitgestellt, wir haben persönliche Fragen beantwortet, nicht nur zur Krankheit, sondern auch zu rechtlichen Fragen, zu administrativen Fragen, zu wirtschaftlichen Fragen, und wir haben versucht, mit praktischen Tipps die Schwierigkeiten unserer Mitglieder etwas abzufedern. Gegenüber Behörden und Ver sicherern haben wir zusammen mit der FMH die Schwierigkeiten aufgezeigt, in denen alle Ärztinnen und Ärzte stecken, nicht nur die Haus-und Kinderärzte. Wir konnten durch eine hohe Präsenz in den Medien den Ängsten der Bevölkerung entgegentreten und die dringend nötige Sicherheit vermitteln, dass Haus-und Kinderärztinnen und -ärzte auch in dieser Situation für ihre Patienten da sind. Bisher sind wir in der Schweiz, verglichen mit anderen Ländern, relativ glimpflich davongekommen. Wir haben gute Chancen, dass wir unsere Freiheiten wiedererlangen, Stück für Stück. Wir arbeiten zusammen mit euch daran, dass dies auch so bleibt.
doi:10.4414/phc-d.2020.10245 fatcat:b5kuimbbn5anxc7jpjjxmennba