Die Torsionen des Nabelstranges

F. A. Kehrer
1878 Archiv für Gynäkologie  
Man untersGheidet bekanntlich zwei Arten yon Drehungen des Nabelstranges~ Die einen riihren you den physiologischen G e f~ s s s p i r a 1 e n nnd sind durch die Amnionscheide derart fixirt, dass es unmSglich ist, sie dutch Zuriickdrehen auszugleichen. Die zweite Art stellen die fast allgemein als pathologisch betraehteten Torsionen dgr. Es sind dies lose Drehungen des ganzen Stranges, welche durch Gegendrehung vollkommen schwinden. Trotz dieses in der Mgglichkeit oder UnmSglichkeit des Auf~
more » ... ichkeit des Auf~ drehens liegenden Unterschiedes muss man gber festhalten, dass beide Arten ohne L~ngsa.xendrehungen des ganzen Nabelstrgnges, oder, was dasselbe sagt, ohne Drehungen der Frucht unmgglich zu Stande kommen k5nnen. Um sich dies klar zu machen, binde man in Nachahmung des Nabelstranges drei diinne, parallel an einander gelegte Kautsehuk-schl~uche an ihren Enden zusammen und befestige zun~chst das eine Strangende derart, dass es sich nieht umdrehen kann. Versucht man nun Spiralen zu bilden, w~hrend auch das freie Strangende fixirt ist, so fiberzeugt man sich leicht, dass nut solche herzustellen sind, welche in der einen H~lfte des Stranges naeh rechts, in der anderen nach links verlaufen. Die bei dieser Versuchsanordnung gewonnenen Spiralen gleichen denen gewisser Pflanzen. Betrachten wir z. B. die Ranken unserer ge-wShnlichen Zaunriibe (Bryonia), so sehen wir, dass nach Befestigung ihrer Spitze die rasch in die L~nge wachsende Ranke sich zur H~lfte in reehtsliinfige, zur H~lfte in linksl~ufige, sehr dichte Spiralen legt. Beide Formen gehen in der Mitte bogenfSrmig in einander fiber.
doi:10.1007/bf01991432 fatcat:yyw2kmhvv5axzgf5ptcc7o54mu