Einleitung [zu: Philosophische Orientierung] [article]

Friedrich Hermanni, Volker Steenblock, Universitaet Tuebingen
2021
Einleitung I. Willi Oelmüller gehört zu den Philosophen, auf die Hegels Diktum, die Philosophie sei "ihre Zeit in Gedanken erfaßt" 1 , in besonderem Maße zutrifft. Die gegenwärtige Welt zu begreifen und im Rückgriff auf nicht erledigte Traditionspotentiale Antworten auf ihre Lebens-und Überlebensfragen zu entwikkeln war und ist Ziel seines philosophischen Denkens. Durch die langjährige Organisation philosophischer und interdisziplinärer Kolloquien hat er zudem zu einem "sachlichen Klima der
more » ... ichen Klima der kritischen Kooperation" 2 in der deutschen Gegenwartsphilosophie wesentlich beigetragen. Der in Dorsten (Westfalen) geborene Oelmüller begann 1950 ein breit angelegtes Studium der Philosophie, Pädagogik, Germanistik und Geschichte in Münster. Hier traf er auf bedeutende Hochschullehrer wie den Germanisten Benno von Wiese, den Historiker Werner Conze, den Logiker und Religionsphilosophen Heinrich Scholz, der an der mathematischen Fakultät lehrte, den evangelischen Theologen Carl-Heinz Ratschow, den späteren Bischof von Mainz, Hermann Volk, vor allem aber auf den Philosophen Joachim Ritter. Durch Benno von Wiese wurde Oelmüller ebenso wie sein Kommilitone Odo Marquard mit einem Problem konfrontiert, das für beide zu einem Lebensthema werden sollte. Die durch von Wiese "inspirierte tragische Weltsicht" habe, so berichtet Odo Marquard, so sehr auf sein eigenes Gemüt und das von Willi Oelmüller gedrückt, daß beide beschlossen, nach Alternativen zu suchen: so begann ihr "langer Marsch durch die Theodizee'? Seit seinem dritten Semester saß der Student Oelmüller im "Collegium Philosophicum" Joachim Ritters, der mit K. Gründer, H. Lübbe, 0. Marquard, L. Oeing-Hanhoff, W. Oelmüller, R Spaemann und anderen diejenigen Schüler gewann, die als die sogenannte "Ritter-Schule" die deutsche Philosophie nachhaltig mitgeprägt haben. Ritter verpflichtete seine Schüler allerdings nicht 1 G. W. F. Hegel: Grundlinien der Philosophie des Rechts, Werke in 20 Bdn.,
doi:10.15496/publikation-55541 fatcat:osz4jqkmbfgkdlxtlvwtxpgjw4