Ein spätbronzezeitlicher Urnenfriedhof bei Gerkenhof, Gern. Schafwinkel, Kr. Verden

Detlef Schünemann
2019
Etwa 600 m westlich des Einzelhofes Gerkenhof wurde 1963 eine Teilunter suchung auf einem Urnenfriedhof durchgeführt. Schon um 1930 sind in diesem Gebiet am Ostufer eines Baches Urnen ausgegraben worden; mit der Frei legung der jetzigen Urnen scheint hier ein gewisser Abschluß erreicht zu sein. Lediglich auf einer benachbarten, nichtgefährdeten kleinen Anhöhe lassen sich noch einige Urnenbestattungen auf begrenztem Raum nachweisen. Sie werden im Einvernehmen mit dem Eigentümer -Herrn Hermann
more » ... r -Herrn Hermann Delventhal (Gerkenhof) -vorerst im Boden belassen. Freigelegt wurden 9 Urnenbestattungen, die in gewissen Reihen mit Ab ständen von 4-6 m angetroffen wurden, z. T. auch unter kleinen Grabhügeln. Alle Urnen standen in relativ sorgfältig gesetzten Steinkisten aus teilweise ge spaltenen Granitplatten. Stets waren eine Standplatte, meist auch eine oder mehrere Deckplatten vorhanden. In zwei Fällen standen je zwei Urnen in einem zusätzlichen kleinen Steinkreis als "Familiengräber" zusammen. Einige Urnen wiesen beiderseits der Steinkiste "Merksteine" auf, die teilweise sogar aus der Erde herausragten. Geborgen wurden unter anderen eine unbeschädigte Terrine mit Kappen deckel und vier Terrinen mit je zwei Henkeln; außerdem eine Urne mit vier horizontal verlaufenden Reihen perlenförmig angeordneter Dellen nebst vier zwischen diesen Reihen verlaufenden fingerbreiten Riefen. Die meisten Gefäße waren durch den Erddruck zerbrochen, konnten jedoch bis auf wenige unvoll ständige wieder zusammengesetzt werden. -In einem Falle wurde neben dem offenbar einst in einem Beutel eingegrabenen Leichenbrand ein Scherbenlager angetroffen: sorgfältig waren die Scherben zweier unvollständiger großer Harpstedter Rauhtöpfe (davon einer mit Wellenrand) und einer Deckschale mit Bandhenkel übereinandergeschichtet worden. Es lag wahrscheinlich kultische Zertrümmerung vor, da sich die Deckschale wieder vollständig zusammen setzen ließ. --Bei den übrigen Urnen-Deckeln, die meistens einen Bandhenkel besaßen, war dies nicht mehr möglich. Typologisch gehören diese Terrinen in die ausgehende Bronzezeit (Periode V-VI nach Mont.), einzelne reichen bis in die Stufe Jastorf a hinein. Der zeit liche Schwerpunkt liegt in der Stufe von Wessenstedt, für die auch die kleinen Hügelgräber sprechen, deren Zahl um 1930 noch 17 betrug; wir fanden jetzt davon noch vier vor, die z. T. angegraben waren. Auffällig ist das Fehlen von Beigefäßen. Beigaben sind relativ selten: eines der Familiengräber ergab in beiden Urnen je eine Bernsteinperle. Die Urne mit dem Kappendeckel barg eine 6 cm lange Bronzenadel mit zwei Wülsten, die in die Stufe Hallstatt C (-D) zu datieren ist. Insgesamt sind derzeit 16 Urnen bzw. Bestattungen registriert worden; zwei bereits ausgegraben angetroffene Steinkisten sind in dieser Zahl einbegriffen, ebenso zwei Urnen im Besitz des Grundstückseigentümers, sowie drei im Verdener Museum aus den älteren Grabungen stammend. Auf Grund von Mu 91
doi:10.11588/nnu.1965.0.65716 fatcat:pkalmcs3f5dkldk5cr5nr63oyi