Die pneumatische Therapie vor dem Verein für innere Medicin zu Berlin (Schluss aus No. 15)

v. Corval
1883 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
ding. Arzt der Curanstalt Schöneck am 1Tierwa1dstädterSee. (Schluss aus No. 15). Diese Bemerkungen, welche mir zur Verhütung von Missverständnissen unerlässlich schienen , vorausgeschickt, möchte ich mir nun erlauben in Kürze die Indicationen fär Behandlung der wichtigsten in Frage kommenden Erkrankungen der Respirationsorgane zu besprechen. Völlig im Einverständniss mit den Auseinandersetzungen des Dr. L a z a r u s halte auch ich die chronische Bronchitis fur den Zustand, bei welchem die
more » ... ei welchem die pneumatische Therapie in erster Reihe indicirt ist. Ich kann ihm nur darin nicht beistimmen, dass er den transportablen Apparat durchaus verwirft und die Glocke allein angewendet wissen will, wiihrend ich zum Mindesten beiden Methoden die gleiche Wirksamkeit zusprechen zu müssen glaube und einer jeden für bestimmte Fälle gewisse Vorzüge zuerkenne. Was nun die Art der Wirkung der comprimirten Luft betrifft, so kann man meiner Ansicht nach, wenn man den Verlauf mit dem Obre an der Brust des Kranken verfolgt, kaum mehr über dieselbe in Zweifel sein. Zunächst werden die theilweise den Wandungen fest anhaftenden Secrete in Bewegung gesetzt, indem die Luft an ihnen vorbei in die Alveolen dringt und dann sich die vis a tergo geltend macht (etwa wie bei Fremdkörpern im äusseren Gohörgange), und nach jeder Sitzung expectorirt. J0 mehr die Lunge auf diese Weise ausgeräumt wird, desto mehr macht sich der mechanische Druck auf die geschwellte Schleimhaut und deren Gefässe geltend, der kleine Kreislauf wird entlastet, dessen Gefässe blutleerer. In Fällen wo das Uebel schon sehr lange gedauert hat, bei Patienten in vorgeriicktem Alter, wo der Stoffwechsel schon Noth gelitten, wo sich ein kachectischer Zustand herausgebildet hat, und die Kranken etwa an dem Geigel'schen Apparate zu rasch ermüden (oder gar den Gebrauch desselben nicht erlernen, was nicht gar so selten vorkommt), ziehe ich die Glocke vor. Wo jedoch die Patienten noch kräftig sind, die Secretion sehr reichlich ist, und man anzunehmen berechtigt ist, dass die Elasticität des Lungengewebes bereits Noth gelitten habe, ohne dass man noch im Stande wäre physikalisch eine Lungenblähung nachzuweisen, gelingt es meist nach einiger Zeit, die Einathmung cornprimirter Luft mit Ausathmung in verdünnte Luft zu combiniren, dadurch die Lunge noch gründlicher auszuräumen und die Excursionen des Thorax zu verstärken. Ich darf versichern, dass sich hier wie bei ausgesprochener Lungenblähung die reizmildernde Wirkung der comprimirten Luft fast unfehlbar jedes Mal geltend macht, freilich besonders auffallend nur bei combinirtem, weniger bei alternirendem Verfahren, wie VTal denburg es empfiehlt. Ein weiteres meist sehr dankbares Heilobject bietet das Emphysem. Selbstverständlich meine ich dabei nicht das Emphysem in rein pathologisch-anatomischem Sinne, wo mehr oder weniger alveolares Gewebe völlig zu Grunde gegangen ist -wir nehmen aber doch einen Zustand acuter Lungenblähung an, wo die Elasticität der Lunge theilweise ausser Wirksamkeit gesetzt ist; und wer wäre wohl im Stande, im gegebenen Falle zu sagen, ob und wie viel elastische Fasern völlig zu Grunde gegangen oder zunächst nur ausser Function gesetzt seien? Mösson wir nicht annehmen, dass es ein Uebergangsstadium gäbe, dass es zwischen der acuten Lungenblähung, die, je öfter sie eintrifft, sich um so weniger vollständig wieder zurückbildet, die jedes Mal wieder 18. April. DEUTSCHE MEDICINISCHE WOCHENSCHEIFT. 235 Heruntergeladen von: NYU. Urheberrechtlich geschützt.
doi:10.1055/s-0029-1197146 fatcat:bmjtnrgsrnfevooqq72z74jb6q