Interview mit Kurt Faller Konfliktberater und Gründer von Medius GmbH [chapter]

2020 Rechtes Denken, rechte Räume?  
JÜ): Lassen Sie uns mit Ihnen und ihrer Arbeit beginnen, was genau umfasst Ihre Arbeit? Kurt Faller (KF): Ich arbeite seit 1996 selbstständig als Wirtschaftsmediator und habe interkulturelle Konf liktlagen als Teil dieser Arbeit bearbeitet. Zum Beispiel habe ich in einem Konf likt um den Bau einer Moschee im Oberbergischen Kreis die Mediation übernommen. Da hatten wir auf der einen Seite den Bürgermeister und die Fraktionsvorsitzenden der Stadt und auf der anderen Seite den DITIB-Moscheeverein.
more » ... ITIB-Moscheeverein. Ich helfe dann dabei diesen Konf likt auszuhandeln. Über die Begleitung solcher Prozesse habe ich eine Reihe Publikationen veröffentlich, in denen es darum geht, auf bauend auf Einzelfällen ein Konf liktmanagementsysteme zu entwickeln. Wenn man Konf likt eher organisatorisch denkt, dann geht es dabei auch um Vorstellungen von guter Arbeit, um Rollenverständnisse, um Anerkennung in Organisationen und darum, ob sich Menschen persönlich gut leiden können. Es ist wichtig diese Organisationen als aus Konf likten lernende Systeme zu begreifen. »Konf liktfestigkeit« ist hier das Stichwort. Wie kann man Unternehmen oder Städte konf liktfest machen? Dazu gibt es auch einen konzeptionellen Hintergrund: das Systemdesigning. Das bedeutet, dass wir in Organisationen niedrigschwellige Strukturen auf bauen, damit Konf likte möglichst früh erkannt und niedrigschwellig an ihrem Entstehungsort bearbeitet werden können. Darüber habe ich zuletzt auch einen Artikel gemeinsam mit Andreas Zick verfasst. JÜ: Bleiben wir beim dem Beispiel Moschee. Wie läuft das dann konkret ab? KF: Das ist die klassische Mediation, eine Konf liktbearbeitung. Der Prozess ist noch nicht abgeschlossen, deshalb abstrahiere ich es etwas. An den meisten Orten gibt es eine zentrale Konf liktanlaufstelle für interkulturelle Konf likte, z.B. beim Landrat. Für die Moscheemediation haben wir ein Team mit Personen vor Ort gebildet. So können die Prozesse nachhaltiger gestaltet werden.
doi:10.14361/9783839451083-014 fatcat:pk5w4deibbdaxkcd7fnsozmftm