ZU DEN KLEINEREN AHD. DENKMÄLERN

ALBERT LEITZMANN
1914 Beiträge zur Geschichte der Deutschen Sprache und Literatur  
548 WOLKAN, NIKLA8 VON WYLE. -LEITZMANN 30. [Niklas von Wyle] an den propst in Denlcendorf. Aus Cod. Innsbruck 760, U. 100 V . Ad prcpositum in denkendorff, qui finxit, se, cum narrabatur, dolere de obitu principis scilicet marchionis. Pater reverende ac domine mi observande. ad tui hesternam peticionem scias, quod dominus meus, generosus Karolus, marchio Badensis, per dei graciain sanus cum germano suo Treverensi in Confluencia existit et in dies letanter eius ad Baden prestulatur adventus.
more » ... ulatur adventus. que cum bodie vere didicerim, volui te participem facere gaudii mei, qui ex tua besterna relacione baud modicas emisi lacrimas, iam evax nonnisi in magnam leticiam mutatas. faxit deus, ut is nobis diu maneat superstes. vale et bec pro veris impartitor, cui velis vel inde gaudenti vel tristanti. iterum vale et me ut facis ama. ex Essenlingen. WIEN. RUDOLF WOLKAN. ZU DEN KLEINEREN AHD. DENKMÄLERN. Brought to you by | University of Queensland -Authenticated Download Date | 6/22/15 6:48 AM ZU DEN KLEINEREN AHD. DENKMÄLERN. 549 möchte: für jeden einzelfall ist das problem der historischen Anpassung' gesondert ins äuge zu fassen und zu beurteilen. Vom ahd. Muspilli ist kürzlich der heidnisch-mythologische Schimmer durch die scharfsinnigen forschungen von Grau, der auf der von Zarncke gebrochenen bahn weiterging, wohl endgültig abgestreift worden. Ähnlich werden wir auch das Wessobrunner gebet künftig als ein rein christliches gedieht anzusehen genötigt sein, eine anschauung, die ich durch eine neue beobachtung stützen zu können glaube. Koegels schöner träum einer deutsch-nordischen germanischheidnischen weltschöpfungsdichtung, in dem gedanken Müllenhoffs consequent zu ende gesponnen wurden, ist beim nüchternen lichte der kritik in nichts zerronnen, und auch Schuttes versuch, die abgerissenen faden der hypothese wieder aufzunehmen, ist von Helm (Beitr. 32,99) mit überzeugenden gründen zurückgewiesen worden. Den christlichen Charakter des Wessobrunner gebets hat zuerst Wackernagel (Zs. fdph. l, 291) mit voller entschiedenheit behauptet, wenn er auch mit der verkoppelung des gedichts mit der damals nur erst durch die praefatio zum Heliand, noch nicht durch Sievers' und Zangemeisters entdeckungen bezeugten altsächsischen bearbeitung des alten testaments in die irre ging und somit die eigentliche quellenfrage als ungelöstes problem zurückließ. Erst Kelle versuchte sie positiv zu beantworten, indem er in seiner geschichte der deutschen literatur (l, 75. 331) an die eingangssätze der biblischen genesis anknüpfte, an die sich der dichter des gebets * genau anschließe'. Daß eine poetische bearbeitung der biblischen Schöpfungsgeschichte in kleinerem umfange (in größerem rahmen haben wir eine solche ja in der ags. Genesis) durchaus kein unmöglicher gedanke ist, dafür haben wir ein directes zeugnis, das in diesem zusammenhange merkwürdigerweise noch nicht herangezogen worden ist (vgl. höchstens Bugge, Beitr. 12,366). In der königlichen halle Hroögars unter den an einer anderen stelle übrigens als noch heidnisch charakterisierten Dänen, wo sonst die heldenlieder von Sigemund, Finn, Hnsef und Hengest erklingen, trägt der sänger ein solches lied vor (Beow. 90; vgl. auch Grau, Quell, u. verw. d. alt. germ. darcU d. j. gerichtes s. 156): ae* Brought to you by | University of Queensland -Authenticated Download Date | 6/22/15 6:48 AM
doi:10.1515/bgsl.1914.1914.39.548 fatcat:c7tfqxofknh7jdleke4lw3o6yu