Christer Petersen: Jenseits der Ordnung: Das Spielfilmwerk Peter Greenaways. Strukturen und Kontexte

Barbara Struif
2003
Kiel: Verlag Ludwig 2001, 144 S., € 13,90 Christer Petersen hat sich in seiner überarbeiteten Magisterarbeit zum Ziel gesetzt, mittels einer strukturalen Analyse aus den Daten des Filmkorpus von Peter Greenaway eine Grundstruktur zu abstrahieren, die für das gesamte Spielfilmwerk Gültigkeit besitzen soll und anhand derer es möglich sein soll, Greenaways Arbeiten im Kontext einer postmodernen Ästhetik zu diskutieren (S.12). Der Autor konzentriert sich dabei auf Ordnungssysteme, die auf
more » ... , die auf unterschiedlichen medialen Ebenen und mit unterschiedlicher Präsenz in den Filmen Greenaways erscheinen. Dass die aus der Analyse gewonnene Grundessenz bei einem Film besser passt als beim nächsten, liegt sicher auch daran, dass sich nicht alle Spielfilme des experimentierfreudigen Briten auf die einfache Gleichung reduzieren lassen, die folgendermaßen lautet: Die männlichen Filmprotagonisten erschaffen sich künstliche Ordnungssysteme, die dazu angelegt sind, die ungeordnete und unberechenbare Natur zu systematisieren und damit zu beherrschen. Die weiblichen Protagonisten sind dabei der Natur untergeordnet, was bedeutet, dass die Männer immer auch versuchen, die Frauen unter ihre Herrschaft zu bringen. Da die Versuche, sich mit der jeweils geschaffenen Ordnung zu orientieren und Macht auszuüben, in der Regel scheitern, gehen nicht nur die Männer, sondern auch ihre konstruierten Ordnungssysteme unter. Ihr Machtverlust und die Unbeständigkeit ihrer Ordnung visualisiert sich, indem die Natur am Ende, meist durch die Hand der Frauen, wieder in ihren ursprünglichen Zustand versetzt wird. Die Frauen gehen in diesem Spiel deshalb als Siegerinnen hervor, weil sie keinerlei Systematisierungsversuche anstreben und sich deshalb auch nicht gegen die Natur stellen. Sie sind in erster Linie auf den Fortbestand ihrer Art fixiert. Neben den männlichen Ordnungssystemen auf der inhaltlichen Ebene analysiert der Autor auch die künstlerischen Ordnungssysteme auf der Metaebene. Dabei gelingen ihm hin und wieder überraschende Interpretationen. So bezeichnet er beispielsweise den Koch in The Cook, the Thief, his Wife and her Lover (1989) nicht als Autor-, sondern als Zuschauersurrogat (S.69), obwohl er zuvor beschreibt, dass der Koch die Fäden in der Hand hält und er derjenige ist, der das Essen auswählt, zubereitet und serviert (S.68). Und auch der abschließenden Einordnung
doi:10.17192/ep2003.1.2132 fatcat:mld77tpqn5cmrmaw5o7f42hbfm