GRAMMATISCHES

W. VAN HELTEN
1905 Beiträge zur Geschichte der Deutschen Sprache und Literatur  
LXIV. Zur entwickelung germanischer langer consonanz aus kurzem consonanten -i-n-. 21-1 VAN II KI/ für die )>)>, n, /,·/,· der ersten kategorie wäre gemeingermanische assimilierung von -n-mit vorangehender medin oder tönender Spirans, für die consonanz der anderen formen aber deliuung des conson. vor -n· und erhaltung des nasals geltend zu machen. Als stützen dieser delinimgstheorie werden Beitr. 12, 510 einige formen hervorgehoben, die sieh nur durch die annähme solcher hypothese, keineswegs
more » ... these, keineswegs als die folgen gemeingermanischer assimilation deuten Hessen: ahd. truccho (neben tralilio, ags. draca) lat. dmco\ ahd. Jtopfo, nl. hoppc etc. (woneben aus mlat. hupa 'hupfen' zu folgerndes germ. hupo), das wegen der abweichenden benennung der pflanze im an. (wo sie Immall heisst) wol nicht in urgenu. zeit existiert haben dürfte; sclnveiz. iculkcto (neben tculcho), das dein ahd. äs. tcolcan, ags. ivolcen entsprechen sollte; schwäb. laoky 'kesseltrommel', das mit ags. beacoi signum, afries. Icken, lälcen 'feuersignal', ahd. loiilthan signum identisch wäre. Doch hat bereits von Friesen in seiner Untersuchung Om de germanska mediageminatorna' s. 6 f. und 13 die beweiskraft dieser bildungen mit recht beanstandet: wegen tracclio ist mlat. (neben draco) begegnendes dracco zu beachten 1 ); wie aus an. hurnall die nichtexistenz von alten Jmpö oder -ö, huppes etc. im urgerin. zu folgern sei, ist kaum einzusehen; wulkcto und wulclis lassen sich anstandslos zu (aus ahd. wol· cltün nom. pl. Ahd. gll. 2, 112, 18 und aonfrk. uulcon, -ttn dat. pl. zu folgerndem) schwachem femin. tvulcha stellen (vgl. auch mhd. mnd. mnl. tvolke fern.; \vegen kch aus H; das trotz seiner Stellung nach langer silbe keine kürzung erlitt, s. unten 5 a. schl.); dem neutr. bt'accn, louhhan etc. steht wol baolco als fern, gegenüber, und semantisch gehen die Wörter zu sehr auseinander, um die annähme ihrer Identität ohne weiteres zu rechtfertigen. Aber auch die hypothese selber sowie andere in Zusammenhang hiermit vorgeschlagenen fassungen unterliegen bedenken. Erstens. Der umstand, dass neben formen mit langer consonanz dazu stehende bildungen mit kurzem conson^ zum teil zu belegen, zum teil nicht zu belegen sind, kann schwerlich ein kriterium für Verschiedenheit in der entstehung der J ) "Wegen eines belegs dieser form s. Grammat. lat. 4,198,17. Brought to you by | University Library Technische Universitaet Muenchen Authenticated Download Date | 7/14/15 1:35 AM VAN / eben mit den einschlägigen westgerm. belegen correspondierende belege iiu überlieferten ostgerm. Wortschatz fehlen (man beachte auch v. Friesen s. 8 ff.). Drittens. Kauffmanns theorie versagt für dieverbalformen ags. flocgian, mnd.grabben, alid. giscoppöt, Jila1ih&n etc., deren -n-untergegangen, nicht (wie bei dehnung vor -n-zu erwarten wäre) erhalten geblieben ist. Viertens. Mit rücksicht auf den durchstehenden einfachen dehnung von stimmhafter spirans vor -n-zu leugnen (nur für die tenuis ergibt sich dieser process aus ahd. trokken, truccliin, woneben aus artrulmei zu folgerndes truhhan, mhd. truchen, sowie aus mittelfränk. iväpcn aus weppn-, vgl. Beitr. l, 23; wegen der möglicherweise ebenfalls auf dehnung beruhenden, langen stimmlosen spirans von bair. zeclw 'zehn' s. Beitr. 12, 524)!); woraus zu schliessen, dass die Hb etc. von ella, ludda, roggo etc. und folglich auch die pp etc., ff etc. von tropfo, hopfo, Iroccho, laccho, snoffa, lapfie, crohha etc. keinesfalls als vor -n-gedehnte laute gefasst werden können. 2. Mit recht beanstandet Kauffmann (Beitr. 12, 508 f.) die von Kluge ebensowenig einleuchtend als der versuch (a.a.O.), mit gedachter gemeingerm. dehnung die existenz des einfachen conson. von Öegn etc. zu vereinbaren. Brought to you by | University Library Technische Universitaet Muenchen Authenticated Download Date | 7/14/15 1:35 AM VAN /
doi:10.1515/bgsl.1905.1905.30.213 fatcat:jper52owgnhuldwo43vyfh2ycq