Mit Empörung und Begeisterung: die Helga Stödter-Stiftung

2011 djbZ - Zeitschrift des Deutschen Juristinnenbundes  
Intern | Mit Empörung und Begeisterung: die Helga Stödter-Stiftung "Ich arbeite am besten, wenn ich begeistert oder empört bin", stellt Helga Stödter fest. "Das hat mich mein Leben lang aktiviert." Dazu gab und gibt es zahlreiche Gelegenheiten in ihrem Leben. "Ich war immer unbequem. Ich habe immer genau nachgefragt, wenn ich etwas wissen wollte", sagt sie. Ungerechtigkeiten sind ihr ein Dorn im Auge, und auch weil sie selbst erfolgreich Karriere als Frau gemacht hat, kämpft sie seit über zwei
more » ... sie seit über zwei Jahrzehnten mithilfe ihrer Stiftung dafür, dass Frauen in Führungspositionen kommen. "Wie kann eine Wirtschaftsnation es sich leisten, so mit dem 'Humankapital Frauen' umzugehen und das Potenzial zu vergeuden?", fragt sie. Weiterhin werden Frauen benachteiligt, die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Karriere ist keine gelebte Realität. Auf diesen Missstand hinzuweisen, hier zu informieren, zu kämpfen, zu fordern -das hat sich Helga Stödter mit ihrer Stiftung auf die Fahnen geschrieben, um in der Politik, bei Unternehmen, Institutionen und Betroffenen die Diskussion voranzutreiben. Karriere einer jungen deutschen politisch unbelasteten Juristin Helga Stödter wurde 1922 in Berlin geboren. "Ich hatte ein sehr glückliches Elternhaus, preußisches Bildungsbürgertum, und wurde als einzige Tochter besonders gefördert. Von zu Hause bekam ich das Pflichtgefühl, den Freiheitsdrang ebenso wie einen starken Gerechtigkeitssinn mit", erzählt sie. Der Vater kam aus einer Hugenottenfamilie. "Er gab mir die Überzeugung mit auf den Weg, dass man sich nichts gefallen lassen muss. Und meine Mutter war mir ein Vorbild. Sie hat sich mutig durchgesetzt, immer gekämpft. Ihre Einstellung war: Ich bin eine Frau, ich kann das." Ihre Eltern erzogen Helga Stödter zu einer kritischen Haltung gegenüber dem nationalsozialistischen System, als Einzige ihrer Klasse war sie nie im BDM oder im Arbeitsdienst. Sie wurde kosmopolitisch erzogen -noch 1939 schickten ihre Eltern sie nach England. Aus Interesse an allem, was mit dem Ausland zu tun hatte, studierte Helga Stödter Auslandswissenschaften, wechselte dann zur Volkswirtschaft. "Mit 20 Jahren, während ich an meiner Doktorarbeit in Berlin saß, studierte ich nebenher Jura und erfuhr in einem familienrechtlichen Seminar, dass das Schmerzensgeld als vermögensrechtlicher Anspruch nach damaligem Recht nur ein Mann einklagen konnte", erinnert sie sich. "Das empörte mich so sehr, dass ich mich entschloss, wegen solcher Ungerechtigkeiten Juristin zu werden. Das war eher ungewöhnlich, denn im Dritten Reich gab es für Frauen keine Möglichkeit, einen juristischen Beruf zu ergreifen." Nach Kriegsende errichteten die Franzosen in ihrem Besatzungsbereich Militärgerichte und als höchstes Gericht das Generalgericht in Rastatt, das dem sogenannten Kriegsverbre-* Quelle: Vera Bloemer, Stifterinnen. Frauen erzählen von ihrem Engagement -ein Lesebuch, Bundesverband Deutscher Stiftungen, Berlin 2010, ISBN 978-3-941368-12-5, www.stiftungen.org/verlag.
doi:10.5771/1866-377x-2011-1-32 fatcat:fwz7g6gyb5bsvai4smj3inwlre