Aegypten als klimatischer Curort1)

J. Hirschberg
1889 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
Meine Herren! Soeben von einer seehswöchentlichen Reise nach kegypten bis zum ersten Cataract zurückgekehrt, möchte ich Ihnen über 1) Nach einem am 16. April 1889 gehaltenen Vortrag. einige Beobachtungen, welche ich daselbst gemacht habe, kurz berichten: in der Hoffnung, bezüglich der Kranken, die Sie gelegentlich dorthin senden, Ihnen nützliche Winke geben zu können; noch mehr aber in der Absicht, zur Klärung der Anschauungen, die jeder gebildete Arzt von Aegypten sich macht, beizutragen; und
more » ... , beizutragen; und endlich einige geschich tiiche Bemerkungen anzuschliessen, die von grösserem Interesse sein dürften. Das merkwürdigste in Aegypten ist das hohe Alter der Cultur. Ich will heute nicht davon sprechen, dass nach alt-ägyptischen Quellen schon 4000 Jahre vor unserer Zeitrechnung in Aegypten ärztliche Schriften, und zwar von Königen, verfasst sein sollen. Aber darauf möchte ich hinweisen, dass bereits 1-lippokrates sowohl eine grössere Anzahl ägyptischer Heilmittel, wie Natron') und Alaun9) erwähnt, als auch in seiner berühmten Schrift über Klimatologie 3) Aegypten abgehandelt hat. Doch ist uns leider diese Stelle verloren gegangen: wir besitzen nur einerseits bei seinem Erklärer Galenus eine Erwähnung des heissen und trockenen Klimas von Aegypten4) und der erfrischenden Nordwinde, die daselbst im Sommer vorherrschen, andererseits bei seinem Zeitgenossen Herodot, der Aegypten (wie es scheint, bis Elephantine) bereist hat, die Angabe, dass die Aegypter wegen des gleich bleibenden Klimas die gesündesten Menschen seien3): wie denn auch Oribasius°) geradezu Aegypten, und zwar dieses Land allein und zweimal hintereinander, citirt, wenn er von den Kennzeichen der gesunden Ausdünstung eines Landes spricht. Als klimatischer Curort für Schwindsüchtige wird Aegypten, oder wenigstens die Seereise nach Alexandrien, bereits von Ce ls us,
doi:10.1055/s-0029-1198471 fatcat:u4p2i3d6lzfynjyt6ezojqktm4