Zur Reform gynäkologisch-operativer und-konservativer Indikationen

E. Kehrer
1922 Archiv für Gynäkologie  
E. Kehrer : Znr Reform gynXkologisch-operativer u. -konservativer Indikationen. 37 Herr E. Kehrer-Dresden: Zur Reform gyn~kologiseh-operativer und -konservativer Indikationen. Das, was ieh Ihnen heute zeigen m6ehte, ist, dab wit eine P~eihe gyni~kologiseher Krankheitsbilder anders auffassen miissen, Ms es bisher gesehehen ist. Ieh erinnere daran, dab z. B. die Vaginitis auf Grund der Vorstellung einer bakteriellen Erkrankung mit allen mSglichen, meist baeterieiden Mitteln oft vergeblieh
more » ... t wird. Die Retroflexionsbesehwerden werden ohne allzu tiefe Analyse auf die Verlagerung dos Organs zurfiekgeftihrt, und man ist sehnell mit irgendeiner Methode der Uterusfixation bei der Hand. Selbst kleinere l~etentionseysten der Ovarien werden vielfaeh operativ in Angriff genommen und erst der linke, meist st~ker erkrankte Eie~stoek, dann zuweilen noeh das reehte Ovarimn geopfert. Bei der ehronisehen Induration des Uterus, der Metritis der Alten, der Metropathie yon Pankow und bei den analogen Ver~nderungen der Uterusligamente, besonders der sog. Parametritis posterior, wird irgendein Moorbad oder eine andere Hyperhmiebehandlung verordnet. Bei Uterusblutnngen ~'ird oft zu wiederhotten Malen ausgesehabt und endlieh ger6ntgent. Und wenn ein Myom diagnostiziert ist, opfern viele den Uterus oder wenden R6ntgenbestrahlung an, wodureh Frauen mit 40 Jahren oder noeh frtiher mit einem Sehlage ins Klimakterium versetzt werden. Alle derartigen l~ezidivsymptome, gezidivoperationen and etwas gewaltsame Verfahren zeigen, dab mit vielen unserer Indikationsstellungen etwas nieht in Ordnu~g ist, und dab wit zuweilen Behandlungsmethoden anwenden, die nieht gerade als ideM bezeiehnet werden k6nnen. Nicht Matronisierung unserer Kranken, sondern Ver~ib~gung ist die Au/gabe! Nicht vori~bergehende Sugffestivtherapie dutch irgendein ope,~zttives Ver/ahren, sondern dauernde Heilung aller Beschwerden und Erscheinungen ist unser aller Ziel! Nun ist ja bei dem historischen l~fickbliek auf don Werdegang der Gyn~kologie und bei der eingewurzelten ~oehschhtzung, die wit der innercn Medizin entgegenbringen, eine symptomatisehe Therapie violfach verst~ndlich. Und verst~ndlieh ist auch bei der gihnzenden Entwieklung, welche die operative Gyn~kologie genommen hat, und bei der vorzugsweise rein spezialistisehen Ausbildung vieler Frauen'~irzte, dab die Erkranlcung der ]Frauenorgane mehr Beriieksiehtigung nnd ]3etonung finder als die Erkranlcung der Frau und ihrer Genitalorga~e. Aueh das kaun man heute noeh entschuldigen, dab die RSntgenbestrahhmg bei dem Aufsehwung, den ihre Teehnik genommen hat, iiberseh~itzt und auf zu weite Gebiete ausgedehnt wird. Aber es muB hier schlieglieh ein Ende geben. Und der Gyn~tkologe darf sieb nieht mehr der Erkenntnis versehliegen, dab der Boden, auf dem das Weib
doi:10.1007/bf01970694 fatcat:inaju5teyrcczcgbg2o5pqakzq