Bericht über die bei der deutschen Südpolarexpedition beobachteten Vögel

E. Vanhöffen
1905 Journal of Ornithology = Journal fur Ornithologie  
Im Juliheft 1901 dieser Zeitschrift habe ich fiber die bei der deutschen Tiefseeexpedition 1898/99 beobachteten VSgel berichtet. Es dtirfte daher ftir die Leser yon Interesse sein, auch einen solchen Bericht yon der deutschen Siidpolarexpedition 1901 --1903 zu erhalten, die im Atlantischen Ozean sowohl auf der Ausreise, als auch bei der Heimfahrt eine yon der Kiiste entferntere Strecke als die Tiefseeexpedition w/ihlte und den westlichen Indischen Ozean in zwei Linien zwischen der nSrdlichen
more » ... sfidlichen Fahrtlinie der Valdivia durchquerte. Diese Fahrten zusammen geben eine gute Grundlage fiir die Beurteilung des Vorkommens der MeeresvSgel in der 5stlichen Hiilfte des atlantischen und der westlichen H~lfte des indischen Ozeans sowie in tier ganzen L~ngsausdehnung beider Meeresgebiete. Es wird nicht schaden, wenn ich die bereits in den Mitteilungen des Instituts fiir Meereskunde in Berlin verSffentlichten Angaben hier noch einmal im Zusammenhang bringe, da die dort niedergelegten Berichte nicht gentigend weite Verbreitung gefunden haben. Erst im Kanal, nachdem wit uns an Bord etwas h~tuslich eingerichtet hatten, wurde mit der dauernden Beobachtung begonnen. In der stidlichen Nordsee hatten sich am 16. August 1901 nur 2 Lummen und eine Seeschwalbe gezeigt. Bei Dower sass eine Schar M5wen auf dem Wasser, die im Morgennebel besonders gross erschienen und nicht sicher erkannt werden konnten. Nachdem die Enge des Kanals passiert war, wurden am 19. August Lummen, vielleicht auch Tauchenten und 2 Taucher bemerkt, da zwei dieser scheuen Tiere grSsser als die fibrigen waren und l~ingere H/~lse batten. In der Ferne zeigte sich einzeln Larus marinus, die MantelmSwe, kenntlich an ihrer GrSsse und den dunklen Flfigeln. Am 20. August erschien bei Kap Lizard eine Schar yon 15 MSwen mit dunklen, weissges~umten Flfigeln, die also wohl als junge Mantel-oder SilbermSwen gedeutet werden mfissen; ein dunkler Puffinus strich fiber den weisskSpfigen Wellen hin und ein einsamer T51pel, Sula bassana, stiess gelegentlieh fischend ins Wasser. Alle VSgel verschwanden bald, da es stiirmisch wurde. Ein WachtelkSnig, Crexpratensis, und ein kleiner Fliegenschn~ipper, Muscicapa atricapilla, batten sich an Bord gefltichtet und wurden am n~chsten Tage gefangen. Obwohl der Fliegenschniipper sich noch am Nachmittag in meiner Kabine ganz heimisch zu tfihlen schien und Fliegen ring, fand ich ihn am Abend schon tot. Im Golf yon Biscaya wurde noch ein Rotschw/inzchen am 22. und
doi:10.1007/bf02094926 fatcat:57zuraa5ezabxfojwmsobtfzf4