Zur Messiaserkenntnis der Dämonen bei Markus

W. Wrede
1904 Zeitschrift für die neutestamentliche Wissenschaft und die Kunde der älteren Kirche  
Zur Messiaserkenntnis der Dämonen bei Markus. 1 Eine Erwiderung von W. Wrede in Breslau. Nach Markus besitzen die Dämonischen, d. h. die Dämonen, die Fähigkeit, Jesus als Messias zu erkennen, während er sonst als solcher verborgen ist. Die Geschichtlichkeit der betreffenden Züge habe ich in meinem Buche über das "Messiasgeheimnis" (S. 22-32) bestritten. Gegen diese Ausführung hat Joh. Weiß in seinem Werke "Das älteste Evangelium" S. 141-146 einen besonderen polemischen Exkurs gerichtet. Es sei
more » ... gerichtet. Es sei mir gestattet, darauf einige Worte zu erwidern. Weiß wendet sich speziell dagegen, daß ich "wie sämtliche Berichte über die Messiaserkenntnis der Dämonen, so auch die Erzählung von dem Dämonischen in der Synagoge streichen zu müssen geglaubt" habe. S. 146 schreibt er: "Die wissenschaftlich allein begründete, allein vorsichtige, allein kritische Ansicht ist die, daß wir hier ein Stück eigentümlicher, aus Ideen nicht ableitbarer Überlieferung haben, eine zeitlich und räumlich festgelegte, durch persönliche Erinnerung beglaubigte Erzählung." Nun -die allein korrekte, allein vorsichtige Art der Polemik wäre gewesen, meine Auffassung, die so scharf getadelt wird, richtig anzugeben. Die Geschichtlichkeit der Erzählung vom Dämonischen in der Synagoge habe ich mit keinem Worte berührt. Oder bedeutet die Bestreitung des einen Zuges der dämonischen Messiaserkenntnis gleich die Verwerfung der ganzen Erzählung? Weiß selber streicht ja auch die Messiasanrufung des Geraseners (5, 7) und hält doch an der Perikope im ganzen fest. In der Tat, das Quidproguo ist ein wenig verwunderlich. 2 Jedenfalls ist Weiß' Polemik, soweit es sich um die ganze Szene handelt, einfach gegenstandslos. * Die folgenden Bemerkungen wurden bereits Ende 1903 niedergeschrieben. * S. 149 heißt es: Mt 4, 23-25 könne im Vergleich mit Mr l, 21-39 "veranschaulichen, wie Markus hätte verfahren sollen, wenn er der schematische Darsteller und Erfinder seines Stoffes wäre, der er nach der Meinung der neuesten Kritik sein soll." Wo habe ich Markus als den "Erfinder seines Stoffes" hingestellt? Ich habe nie etwas Zeitschr. £ d. neutest Wiss. Jahrg. V. 1904. 12
doi:10.1515/zntw.1904.5.1.169 fatcat:fag4keoo4vexjfjntiupmzm4tu