Zur Kenntnis der Haut-Lymphogranulomatose

W. Dössekker
1919 Archives of Dermatological Research  
Der nachfolgend publizierte Fall von Haut-Lymphogranulomatose (G r o l~) verdient aus verschiedenen, sowohl allgemein-pathologischen und anatomischen als speziell dermatologischen Griinden unser Interesse. Der Krankengeschichte und dem histologischen Befund habe ich als Grundlage ftir die epikritische Besprechung eine Zusammenstelhng des kasuistischen Materials der Haut-Lokalisationen~ sowie des augenblickl4chen Standes unserer ~ttiologischen Kenntnisse fiber die Lymphogranulomatose beigeffigt.
more » ... omatose beigeffigt. Krankengeschiohte: Erster Spitalseintritt 19./ II. 1912. Frau L. B., W~scherin, geb. 1858. Anamnese: Mutter der Patientin mit 43 Jahren (angeblich an Herzaffektion), Vater mit 78 Jahren (an unbekannter Krankheit) gestorben, Keine Geschwister. Patientin selbst hat als Kind Masern durchgemaeht und soll viel an Kopfschmerzen gelitten haben. Erste Menses mit 17 Jahren, stets regelm~i~ig und schmerzlos. Letzte Periode mit 51 Jahren. Zweimal verheiratet, 5 norma]e Geburten. Ein Kind mit 3 Monaten an Keuchhusten gestorben, die andern 4 his heute stets gesund. Den Beginn ihrer Krankheit datiert Patientin auf 0ktober 1911 zurliek. Damals hat sie eine flache, geschwulstartige Erhebung mitte~ auf dem behaarten Kopf entdeckt, die in der Folge leicht eiterte, sich zeitweilig mit Krusten bedeekte und hie und da schmerzte. Die Geschwulst soll bls heute nicht wesentliet~ gr61~er geworden sein; dagegen h~tte slch vor kurzem am Rande derselben eine frische, ca. fiinfcentimesstiiekgrol~e, halbkugelige Erhebung entwickelt. Patientin DSssekker. Zur Kenntnis dor Haut-Lymphogranulome. 597 f~hrt ihre Erkrankung auf don Umstand zurfick, dab sie stets schwerere Lasten (Wassereimer etc.) auf dem Kopfe ge~ragen hat. Seit dem Auftreten der Geschwulst auf dora Kopfe will Patientia den Appetit verloren haben und schw~cher und magerer gewordon sein. I. Spitalsaufenthalt 19./II. 1912 bis 4./iII. 191~2. S t a t u s : Kleine, magere Frau mit sebr m~13igem Fettpolster und wenig entwickelter Muskulatur. Gesundes Aussohen. Kein Husten; keine Nachtschweil]e; kein Hautjucken. Subfobrilo Temperatur abends 37'3. Die Untersuchung ergibt normale Verh~ltnisse dor innern 0rgano und der Haut. Urin fre i yon Eiweil~ und Zucker. Keine Drfisonansehwellung. Keine Milz-und Leberschwellung. Lokalbefuud: Auf dem behaarten Kopf findot sieh ein l~ngsovaler, vom Wirbel fiber die Pfeilnaht nach vorne verlaufender, flacher, etwa 1 cm fiber die Umgebung prominenter Tumor yon derber Konsistenz. Derselbe hat einen L~ngsdurchmesser yon ca. 6, einen Breitendurehmesser yon 21/~--3 cm. Die Haut des Tumors ist leicht ger5tet, sonst jedooh normal und obne Ulzeration. Dio Haare fiber dem Tumor uud auf der normalen Haut der n~ehsten Umgebung sind bis auf ganz vereinzolte RQste ausgefallen. Die FollikelSffnungen ersehoinon deutlich erweitert; aus einzelnen entleert sich auf Druck etwas Eiter. Am vordern Toil dieser Erhebung sitzt eia deutlich davon abgegrenzter, etwa haselnul3-grol}er Tumor yon derselben Kon~istenz und 0berfl~ehenbesehaffonheit. Wassermann: negativ. Tuberk ulin-Reaktionen : Moro (50~ Tub. Lanol.): schwach positiv. Pirquet: mit 1~ und I0~ LSsung vollst~ndig negativ, mit 250/0 ulld reinem Tuberkulin-Koeh schwach positiv. P i r q u e t : auf Tumor (~25~ negativ, auf normaler Kopfhaut schwach positiv. Difforentialdiagnostisch wurden Triebophytie (ira bosondern Granu-]oma trichophyticum M aj o c c h i), Tuberkulose, Sporotrichose uud maligne Neubildungen in Erw~gung gezogen. Trichophytie-Pilze konnten weder im Eiter, noeh in mit dem scharfea LSffel ausgekratzter Geschwulstmasse, noch in den spiirlich vorhandenen Haaren gefunden werden. Ebenso blieben dio auf Maltoseund Gly]~ose-Agar aus dem gleichen Material angelegten Kulturen steril, resp. es entwickelten sich nur saprophytische, gewShnliche Schimmelpilze. Die mikroskopische Untersuchung eines aus der Tumormasse exzidierten 8tfickchens ergab atypisehes Granulationsgewebe. 29./II. 1919. Das gesamte Tumorgewebe wird in Lokalan~sthesie mit dem scharfen LSf{el entfernt. Das gewonnene Material wird zum Toil zur wiederbolten histologischen Untersuchung verwendet, zum Tell in Antiformin zum Pilz-resp.
doi:10.1007/bf01827697 fatcat:3m7mehxlhbajzcijljj4u6h77y