Meeresrauschen [chapter]

A. Blödorn
2016 Verirrte Bürger. Thomas Mann und Theodor Storm  
Immanente Transzendenz und anti-bürgerliche Fluchtimpulse bei Theodor Storm und Thomas Mann Auf dem hohen Küstensande Wandre ich im Sonnenstrahl; Über die beglänzten Lande Bald zum Meere, bald zum Strande Irrt mein Auge tausendmal. Aber die Gedanken tragen Durch des Himmels ewig Blau Weiter, als der Wellen Schlagen, Als der kühnsten Augen Wagen, Mich zur heißgeliebten Frau. (LL 1, 241) Im Werk Theodor Storms kommt dem Meer eine zentrale Rolle zu: Es ist als 'Brennpunkt des Lebens' der Ort, an
more » ... n Protagonisten wie Hauke Haien im Schimmelreiter sich zurückziehen, um nachzudenken und wichtige Entscheidungen zu treffen, ein Kristallisationspunkt lebensgeschichtlicher Wenden (wie in Storms Novelle Psyche) und ein Ort, von dem aus sich die Erinnerung an Vergangenes entspannt (so etwa zu Beginn von Storms Eine Halligfahrt). 1 Und es ist zugleich und vor allem der Ort, von dem aus die Gedanken der Storm'schen Küsten-und Meeresbewohner in die Ferne schweifen, sich wie im eingangs zitierten Gedicht in die Arme einer Frau träumen oder aber ins Unendliche verlieren und von einer tiefen Sehnsucht ergriffen werden -so wie es dem Ich-Erzähler in Storms Zerstreuten Kapiteln noch nach Jahren der Heimatferne widerfährt: 1 Nicht untersucht wird dabei nachfolgend die Wassermotivik im Werk Storms im Allgemeinen, wie sie etwa Irmgard Roebling thematisiert; auch die Differenzierung unterschiedlicher Affinitäten der Geschlechter hierzu muss an dieser Stelle ausgeklammert bleiben. Vgl.
doi:10.5771/9783465139546-265 fatcat:6em4trzhtbch7ah3avdjohtypa