RUNENSTUDIEN. I. Die urgermanischen runen

RICHARD M. MEYER
1896 Beiträge zur Geschichte der Deutschen Sprache und Literatur  
RUNENSTUDIEN. I. Die urgermanischen runen. In welche zeit die runenschrift der uns erhaltenen denkmale zurückreicht, welches alphabet ihr zu gründe gelegt ward, wie sie sich in verschiedenen epochen und bei verschiedenen stammen entwickelt hat: all diese fragen hat Wimmers grosses werk man darf wol sagen endgiltig beantwortet. Man mag in einigen -einzelfragen mit ihm rechten -wie ich denn von seiner herleitung einzelner zeichen nicht überzeugt bin, auch wo nicht die gleich zu entwickelnden
more » ... entwickelnden erwägungen mitsprechen -aber im ganzen werden seine ergebnisse schwerlich anzufechten sein. Wer so grosses leistete, durfte anderes völlig bei seite schieben. Den wichtigsten und grössten teil der geschichte der runenschrift hat Wimmer aufgestellt; auf die problematische Urgeschichte hat er nicht eingehen ihögen. Wie die runen aussahen, die bei den Germanen vor erfindung unseres fuparks, vor dem dritten Jahrhundert n. Chr. (Wimmer s. 176) im gebrauch waren, darüber hat er keine Vermutung geäussert. Dennoch ist uns doch aber durch Tacitus Und andere Zeugnisse ausdrücklich verbürgt, dass es vor jener grossen tat, vor der nachbildung des römischen alphabets durch einen genialen praeceptor Germaniae, urgermanische runen gab. Dass auch diese auf die römischen buchstaben zurückgiengen, hat allerdings L. Geiger (Zur entwickelungsgeschichte der menschheit s. 62) angenommen: 'auch die runen sind ohne zweifei eine wahrscheinlich schon in früher zeit über Massilia zu den Galliern und von da zu den Germanen gekommene entwickelungsform aus derselben quelle wie die italischen alphabete' (eine anmerkung beweist, dass er an die taciteischen runen denkt). Huldigt man dieser anschauung, so Brought to you by | University of Queensland -Authenticated Download Date | 6/21/15 2:02 AM
doi:10.1515/bgsl.1896.1896.21.162 fatcat:c3wib3hhafbyvoaesefkuzjr2e