Über psychosen bei kriegsgefangenen

M. Pappenheim
1916 Zeitschrift für die gesamte Neurologie und Psychiatrie  
Ich hatte in der letzten Zeit Gelegenheit, einige Fiille yon Geisteskra.nkheit bei kriegsgefangenen Russen und Italienern zu untersuchen. Da Arbeiten fiber dieses Thema bisher nicht vorzuliegen scheinen, dfirften die folgenden Beobachtungen nicht ohne Interesse sein. Birnbaum erwithnt zur Frage der Psychosen bei Kriegsgefangenen in seinem Sammelberichte (Zeitsehr. f. d. ges. Neur. u. Psych. Ref. 12,327), da{~ man "a priori analog den Erfahrungen in der Haft erwarten mfil~te, dai3 auch in der
more » ... dai3 auch in der Kriegsgefangenschaft psychogene StSrungen unter der Mitwirkung naheliegender Wunschtendenzen nicht selten vorkommen wtirden". Ich sah in der Zeit yon Mitte November 1915 bis Mitte April 1916 14 Psychosen bei russischen Kriegsgefangenen aus einem durchschnittlichen Interniertenstande'von etwa 7000 Mann. Allerdings entstammen zwei yon diesen Fallen, eine TabesparMyse und ein katatonischer Stupor, nicht dem ursprfinglichen Lagerbestande, wurden viehnehr wegen ihrer Geisteskrankheit zum Zwecke des Invalidenaustausches dem Lager fibergeben. Von Italienern, yon denen sich durchschnittlich etwa 600 im Lager befanden, kamen bisher drei, und zwar alle im Laufe des Monats Marz, auf das psyehiatrische Beobachtungszimmer des Lagers. Der grSl]ere Tell dieser 17 FMle bietet nichts Bemerkenswertes. Es sind das ein Fall yon Tabesparalyse mit welt vorgeschrittener Ver-blSdung (Russe), drei (Russen) unzugangliche FMle von Katatonie -ein seit Monaten bestehender Stupor und zwei katatonische Erregungen --, fiber deren Vorgesehichte sich nichts Rechtes erfahren field, und vier ehronisehe paranoide Psyehosen (drei Russen, ein Italiener), deren Beginn offenbar schon in die Friedenszeit zurfickreicht. Erwithnenswert ist, dab keiner dieser Kranken spontan oder auf Befragen Helm-
doi:10.1007/bf02867040 fatcat:6nwl66d6ibdq3ffyyrs5mgvpnu