Versuche mit dem Stanĕkschen Verfahren zur quantitativen Bestimmung des Cholins

A. Kiesel
1907 Hoppe-Seyler´s Zeitschrift für physiologische Chemie  
Die Mannigfaltigkeit der in lebenden Wesen enthaltenen chemischen Verbindungen ist bekanntlich eine sehr große. Jedes Verfahren, das uns ein Mittel an die Hand gibt, das in jedem Organismus enthaltene Stoffgemenge zu zerlegen, ist sehr schätzbar, besonders wenn uns dieses Verfahren gestattet, die Trennung und Ausscheidung der betreffenden Substanzen quantitativ durchzuführen. Ein Vorzug, den eine neue Methode vor einer älteren haben kann, besteht darin, daß sie uns ermöglicht mit einfacheren
more » ... mit einfacheren Mitteln und mit größerer Schnelligkeit zu arbeiten, sei es durch nicht erfordertes Entfernen einiger anderen Verbindungen, d. h. durch eine ganz spezielle Eigenschaft der Mittel nur auf den einen Körper, oder wenigstens nur auf eine eng begrenzte Gruppe von Körpern fällend oder lösend zu wirken, oder durch die geringere Zahl oder größere Bequemlichkeit einander folgender Prozesse, die dann zum Schluß zur Gewinnung der reinen Substanz führen. Es ist auch ein großer Vorzug, wenn uns die neue Methode erlaubt mit derselben, oder vielleicht noch mit größerer Sicherheit und Genauigkeit bei geringerer Substanzmenge einen in derselben enthaltenen Körper qualitativ oder sogar quantitativ zu bestimmen. Zu den in den Organismen in großer Verbreitung vorkommenden Körpern gehört bekanntlich das Cholin. Sein Nachweis und seine quantitative Bestimmung sind von Wichtigkeit wegen der nahen Beziehung, in der das Cholin zu Lecithin steht, einem Körper, dessen hohe physiologische Bedeutung 15* Brought to you by | Purdue University Librarie Authenticated Download Date | 5/28/15 6:56 PM A. Kiesel, außer Zweifel ist. Deshalb war es von großem Interesse, daß eine neue Methode der quantitativen Bestimmung des Cholins in den letzten Jahren von W. S t anek vorgeschlagen wurde.*) Da aber diese Methode noch nicht völlig ausgearbeitet ist, 2 ) so war es geboten, die Methode auf ihre Anwendbarkeit auf Pflanzenextrakte zu untersuchen. Im folgenden gebe ich einen Beitrag zur Lösung dieser Frage. Hierbei muß bemerkt werden, daß ich in meinen Versuchen den Angaben von Stanek so weit als möglich zu folgen bestrebt war. Die in der letzten Zeit angewendete Methode zum Abscheiden des Cholins 3 ) besteht in einer kombinierten Fällung durch Phosphorwolframsäure und Quecksilberchlorid. Außerdem wurde noch die einfache Fällung durch Quecksilberchlorid benutzt, 4 ) wie es. zuerst von L. Brieger angegeben wurde, 5 ) der dieses Salz, welches mit dem Cholinchlorid ein «sogar in heißem Wasser äußerst schwer lösliches» Doppelsalz gibt, zur «völligen Abscheidung des Cholins von übrigen Basen» anzuwenden empfiehlt. Über die Fällbarkeit des Cholins durch Jodverbindungen (Kaliumquecksilberjodid und Kaliumwismutjodid von Jahns, 6 ) Jod mit Jodwasserstoff von P. Griesse und Harow 7 ) angewandt), finden sich nur vereinzelte Angaben vor» Der aus dem Untersuchungsmaterial mit Wasser gemachte Auszug wird von Eiweiß usw. durch Bleiessig befreit, das Blei nach Einengen im Filtrate durch Schwefelsäure entfernt, die Konzentration der Schwefelsäure in der eingeengten Lösung bis auf 2-3°/o gebracht. Dann werden die Basen durch Phoaphorwolfranasäure gefällt, das Filtrat von dem Niederschlage «) Diese Zeitschrift, Bd. XLVI, S. 280; Bd. XL VII, S. 83, und Bd. XLVIII, S. 334 *) Wie-es aus S t an S k s eigenen Angaben hervorgeht (Diese Zeitschrift» Bd. XLV1H, S. 389), indem er auf die Notwendigkeit der Identifikation hinweist.
doi:10.1515/bchm2.1907.53.3-5.215 fatcat:73wzxyy6rfcpppqx5azk6x5mge