Keine Illusion?

Roland Odermatt, Arthur Schopenhauer
1993
Nutzungsbedingungen Die ETH-Bibliothek ist Anbieterin der digitalisierten Zeitschriften. Sie besitzt keine Urheberrechte an den Inhalten der Zeitschriften. Die Rechte liegen in der Regel bei den Herausgebern. Die auf der Plattform e-periodica veröffentlichten Dokumente stehen für nicht-kommerzielle Zwecke in Lehre und Forschung sowie für die private Nutzung frei zur Verfügung. Einzelne Dateien oder Ausdrucke aus diesem Angebot können zusammen mit diesen Nutzungsbedingungen und den korrekten
more » ... unftsbezeichnungen weitergegeben werden. Das Veröffentlichen von Bildern in Print-und Online-Publikationen ist nur mit vorheriger Genehmigung der Rechteinhaber erlaubt. Die systematische Speicherung von Teilen des elektronischen Angebots auf anderen Servern bedarf ebenfalls des schriftlichen Einverständnisses der Rechteinhaber. Haftungsausschluss Alle Angaben erfolgen ohne Gewähr für Vollständigkeit oder Richtigkeit. Es wird keine Haftung übernommen für Schäden durch die Verwendung von Informationen aus diesem Online-Angebot oder durch das Fehlen von Informationen. Dies gilt auch für Inhalte Dritter, die über dieses Angebot zugänglich sind. Ein Dienst der ETH-Bibliothek ETH Zürich, Rämistrasse 101, 8092 Zürich, Schweiz, www.library.ethz.ch http://www.e-periodica.ch Keine Illusion? Jede These ruft nach ihrer Antithese. Die Behauptung, das Ich sei eine Illusion, eine verheerende, provoziert den selbstbewussten Leser, sich dem Autoren zu spüren zu geben. So muss es wohl sein. Der doppelsinnige Schluss der Replik, im Tode möge das Ich, mit demach, wie furchtbar originellauch der Redaktor gemeint sein dürfte, heisst, der Glaube an das Ich sei lebensnotwendig und dürfe deshalb nicht in Frage gestellt werden. Damit bin ich nicht ganz, aber doch zu einem gewissen Teil einverstanden. Wenn mit drei Jahren die Ichabhebung erfolgt, muss sie gestärkt werden, wohl überlegt, so dass sich das Kind behaupten kann, ohne zu einem kleinen Tyrannen, einem Egomanen zu werden. Das Gleichgewicht zwischen dem Ich und seiner Umwelt muss gewahrt bleiben. Wenn aber, zum Beispiel, Mütter ihre Söhnlein vergöttern und verwöhnen, werden sie später als Machos durch die Welt laufen und glauben, ohne dogmatisiertes Ego nicht mehr leben zu können und ein Ich in differenziertem Geiste sei destrukturiert, entpersönlicht und krankhaft. Das Kulturgebiet, dem sie zufälligerweise angehören, wollen sie anderen überlegen wissen, obwohl man sich in unserer kleiner werdenden Welt solchen Chauvinismus gar nicht mehr leisten kann. «Fertig» sind sie, nicht jene, die eine neue Harmonie, den Weltfrieden anstreben. Dass sie ihre starre Ich-Position resolut verteidigen wollen, notfalls auch verletzend, ist weiter nicht verwunderlich. Wüssten sie, dass sie am ehesten sich selbst treffen, kämen sie zur Besinnung. Skandalös und
doi:10.5169/seals-413928 fatcat:tyjqgbpsbvervp5lvru7fkpl2y