Litten, Freddy: Mechanik und Antisemitismus. Wilhelm Müller (1880-1968). München, Institut für Geschichte der Naturwissenschaften, 2000. IX, 506 S. (Algorismus, Heft 34). SFr. 37.-. ISBN 3-89241 -035-6

Andreas Kleinert
2002 Gesnerus  
Fontane schlicht eine «Geschmacklosigkeit», geht zurück auf ein Tafelbild des Nürnberger Malers Michael Herr von 1619, heute im Marburger Universitätsmuseum. Verwandte ikonographische Typen wie etwa «Christus als Seelenarzt» hatten schon eine lange, bis in die Spätantike zurückgehende literarische Tradition hinter sich. Aber erst durch die soziale Aufwertung und akademische Gleichstellung des Apothekers mit dem Arzt im frühen 17. Jahrhundert konnte das Bild von Christus als Apotheker entstehen,
more » ... der die Seelenarznei selber herstellt und abgibt. So konnte Herr im Umfeld der protestantischen Erbauungsliteratur dieses neue Andachtsbild schaffen, dem in vielen Varianten eine lange Zukunft beschieden war. Krafft weist auf eine Inschrift hin, welche für die Interpretation des Bildes im Sinne der lutherischen Recht fertigungslehre grundlegend ist. Das immer wieder anzutreffende Zitat aus dem Propheten Jesaja (LV,1 -«Kommt her und kauft ohne Geld und umsonst»weist darauf hin, dass Christi Erlösungswerk umsonst sei, nichts koste, auch keine guten Werke. Das Motiv «Christus als Apotheker» wurde auch von katholischer Seite übernommen. Es wurden im neuen Umfeld eigene Andachtsaber auch Kultund Gnadenbilder geschaffen mit bezeichnenden ikonographischen Veränderungen. So sind etwa Kelch und Hostie Hinweise auf die katholische Herkunft des Bildes.
doi:10.1163/22977953-0590304026 fatcat:a3w22mveifbzjfmnmpbxwouhli