EIN ALTIRISCHES GEBET ZU ST. COLUMBA

JULIUS POKORNY
1912 Zeitschrift fur celtische Philologie  
Beifolgendes Gedicht ist dem bekannten Codex Eawl. B. 502 i) (Facs. p. 107 a 19) und LU (Facs. p. 15 a 11) entnommen. E, bietet, wie zu erwarten war, einen weitaus besseren Text, nur liier und da hat LU besser die alte Orthographie bewahrt. Das Gedicht gehört zweifellos der spät-altirischen Zeit an und ist gewifs älter als das Jahr 900, denn die erste Zeile der . Strophe wird 7 Cormac mac Cuilennäin (-j-908) in seinem Glossar (s. v. fogamur) citiert. Triar ist dort ein leicht verständlicher
more » ... verständlicher Schreibfehler für tair. Zur Beurteilung des Sprachcharakters dürfen wir auch das in E, gleich nachfolgende Gedicht (abgedruckt im Archiv III, S. 217) heranziehen, da Versmafs und Sprache sowie Behandlung des Gegenstandes dieselben sind und es daher fast sicher von demselben Dichter herrührt. Ich citiere es als A. Altirische Formen sind in unserem Gedicht: indüa (3silb.) Str. l, snäidsiunn Str. 3, in A: desercda (3silb.), iarmhüa (3silb.) ? deserce (3silb.), lia, \ ferner war, wie rzilescae in A Str. 5 zeigt, zur Zeit der Niederschrift auslautendes e nach nicht-palataler Konsonanz noch in der Schrift erhalten. Die Sprache erinnert sehr an Colmans Hymnus und ist sicher nicht älter als die der Mailänder Glossen; ich möchte sie wegen des einsilbigen sui Str. 3 und hua (A Str. 1) eher in die 2. Hälfte des 9. Jahrhunderts setzen; eine jüngere Form ist auch irse (Str. 2), das zuerst in den Turiner Glossen erscheint. Im Ganzen sind die alten Formen ziemlich gut bewahrt; die wenigen späteren Merkmale in der Orthographie fallen zweifellos den Abschreibern zur Last. Das Gedicht erscheint auch im Kommentar zum Amra Cholnim Chille (R. C. l ) Hier trügt es den Titel: Cainnech dorigni inn-orlhain se.
doi:10.1515/zcph.1912.8.1.285 fatcat:avfgvk6azndt5etsdqkxaezira