Das Testament des Heinrich von Hirtz, gen. von der Landskron

A. Heuser
1869 Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein  
Die Familie Hirtzr ), welche von dem Hause Landskron (Nr. 1 auf der Sandkaule) ihren Beinamen führte, gehörte zu den dreißig Ge schlechtern, welche nach der Kölhof'schen Chronik "von auswärtiger Herrschaft hergekommen sind und sich binnen Köln mit den fünfzehn alten römischen Geschlechtern durch Berheirathung verbunden haben". Mag diese Ansicht von dem Ursprung jener Geschlechter begründet, oder aber die Meinung, dieselben seien Abzweigungen der fünfzehn alten Geschlechter, die richtigere sein
more » ... ), jedenfalls zählte die Familie der Hirtze zu den edelsten von Köln, und ihre Mitglieder nahmen an der Geschichte der alten Reichsstadt einen hervorragenden Antheil. Zu diesem Rittergeschlechte gehörte Henricns de Cervo, Propst zu Nideggen, Canonicus der Collegtatstifter von Maria ad gradns und Maria im Capitol zu Köln und von S t. Cassius zu Bonn, so wie Pfarrer zu S t. Martin in Köln, welcher nach Fahne (a. a. D.) 1298 geboren wurde und 1359 starb. Sein Testament, datirt vom 11. Juni 1358, hat sich abschriftlich in einem großen Chorbuch von Pergament, ohne Zweifel seinem Geschenke, erhalten, welches auf 348 Blättern das ganze Graduale und Antiphonarium umfaßt. Dieser Codex stammt aus der Stiftskirche Maria ad gradns und befindet sich jetzt in der Bibliothek des hiesigen Priesterseminars. D as Testament, welches dort 23 Spalten füllt, zeigt schon durch seinen Umfang, daß Heinrich von 1) S . die Stammtafel bet Fahne, Geschichte der Kölnischen, Jülich'schen und Bergischen Geschlechter, Theil I, S . 237. 2) (Stuten, Geschichte der Stadt Köln, I, 403. Brought to you by | New York University Bobst Library Technical Services Authenticated Download Date | 7/20/15 2:40 PM Hirtz ein reichet Mann gewesen fei; wir fernen ihn in demselben anch als Eigenthümer von Höfen bei Unkel, in Meckenheint und in Poppels dorf, verschiedener Weinberge und ansehnlichen anderen Grundbesitzes kennen, und sehen, daß er zu Köln, ztt Bonn und zu Bürvenich voll ständig möblirte Wohnhäuser besaß, in welchen selbst das eigene Brevier nicht fehlte. Auch hatte er in und außerhalb Kölns eine zahlreiche Dienerschaft, die in zwei Rangstufen eingetheilt war und theilweise auch seine Livree trug; unter seinen Clerikern erscheint sogar ein Stifts herr von Mariengraden. Besonders reich war er an Kirchensachen, und der Aufschluß, welchen seine letzte Willensmeinung in dieser Be ziehung gibt, ist um so lehrreicher, weil er bei vielen dieser Gegen stände nicht nur die Art ihrer Verzierung, sondern anch ihren Preis erwähnt. So erfahren wir, daß ihn ein großes Psalterium, ein Antiphonarium und ein Graduale hundert Gulden gekostet hatten, ein anderes neues Graduale und Antiphonarium sechszig Gulden, ein Psalterium fünfzehn Gulden. Eine Monstranz, welche bei der sacramentalischen Procession zu dienen pflegte -eines der allerersten be kannten Beispiele dieser Art von Ostensorien -hatte einen Werth von achtzig Gulden. Zahlreiche Reliquiarien in Form von Monstranzen, zum Theil mit Figuren verziert, hatten ihn 120, 60, 40, 36, 30, 20, 15 Gulden gekostet. Auch Gemälde, Kunstwerke aus Krystall und Elfenbeinarbeiten zu religiösem Gebrauche werden aufgeführt. Von Büchern finden sich außer liturgischen auch juristische erwähnt; ferner Teppiche, theils mit eingewebten Figuren, theils mit Blumen verziert, zum Schmucke der Chorwände bestimmt. Sehr kostbar waren auch die priesterlichen Gewänder: eine grüne Casel und die Gewänder für den Diakon und Subdiakon, mit Engelsfiguren, hatten sammt Albe, Amict und Stola dreihundert Gulden (circa 880 Thlr.) gekostet, eine schwarze Chorkappe hundert Gulden, eine Casel mit den Ministrantengewändern von blauer Seide, sammt den Alben und den Stolen aus Goldstoff mit den Bildern der Apostel hatten eine Auslage von 260 Gulden (760 Thlr.) erfordert; fünf andere Kirchengewänder mit den Bildern der H. drei Könige besaßen einen Werth von 180 Gulden; ein rothes Parament für das Hochamt sammt den dazu gehörigen Alben hatten 400 Pagaments-Mark oder, da die Mark Pagament damals fast 26 Sgr. werth war, in unserem Gelde gegen 346 Thlr. gekostet. Von einer Capelle erfahren wir, daß sie aus dem Bahrtttche seiner Mutter verfertigt war. 1) Nach Ducange (Glossarium med. et ins. latinit.), welcher sich dafür auf eine handschriftliche Aufzeichnung der Gewohnheiten der Kölnischen Kirche bezieht, bedeutet Semella: panum similaceorum, qui Simenelli dicebantur, distributio vel certa quantitas. Simenelli waren eine feinere Sorte von Weißbrod. E s sollten also diese acht M alter Weizen zu Brod verbacken und so den M itgliedern des Dom capitels und sämmtlichen Chorisociis ausgetheilt werden. 2) Der florenus de Florentia war gleich 8 Schilling. 3) Ueber die Bedeutung der Mark, wo sie ohne weiteren Zusatz erscheint, s. Ernten, Geschichte der Stadt Köln, II, 398 ff., woher w ir ditch die Werthangaben der anderen M ünzen entnommen haben. 4) 26 Mark Pagam ent = 2 2 y 3 Lhlr.
doi:10.7788/annalen-1869-jg03 fatcat:hmc3ctocczc4hl5dr5suictx7y