Die Ausscheidung der flüchtigen Fettsäuren durch den Harn1)

Fritz Rosenfeld
1903 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
hat zuerst y. Jaksch2) im Jahre 1886 grössere Aufmerksamkeit geschenkt. Als das Resultat seiner Untersuchungen lassen sich zwei Sätze aufstellen: In jedem normalen Ham finden sich Spuren von flüchtigen Fettsäuren, und zwar sind nicht in jedem Ham die gleichen flüchtigen Fettsäuren enthalten. Ferner, bei gewissen Leberkrankheiten sowie im Fieber ist die Menge der flüchtigen Fettsiiuren vermehrt. Diese Vermehrung der flüchtigen Fettsäuren im Fieber bezieht Jaksch auf den gesteigerten
more » ... gerten Eiweisszerfall des Organismus während der Fieberperiode. Er setzt diese Vermehrung in Parallele mit der Steigerung der Acetonausfuhm. Rokitansky konnte diese Vermehrung der flüchtigen Fettsäuren während des Fiebers bestätigen. Nur leitet er die ffiichtrgen Fettsäuren von den Kohlehydraten ab, da nach einer nur aus Mehispeisen bestehenden Mahlzeit die Menge der flüchtigen Fettsäuren sehr gestiegen war. Für die klinischen Untersuchungen sind dann die flüchtigen Fettsäuren wenig mehr in Frage gekommen, bis vor wenigen Jahren Ferdinand Blumenthal dieselben theils allein, theils mit A. Blumenthal und Carl Lewin, mit zur Bestimmung der Darmfäulniss verwendete. Darauf haben H. Strauss und Philippsohn in einer gross angelegten Arbeit über "die Ausscheidung enterogener Zersetzungsprodukte im Urin bei constanter Diät", auch der Ausscheidung der flüchtigen Fettsäuren Beachtung geschenkt, in der Absicht, "nur einfaches Thatsachenmaterial für die Diskussion der aufgeworfenen Fragen zu beschaffen." Hier setzen eigene Untersuchungen ein, die theilweise zu neuen und unerwarteten Ergebnissen in Bezug auf Diagnose und Prognose so mancher Krankheiten geführt haben, sodass es sich vielleicht verlohnen dürfte, der Bestimmung der flüchtigen Fettsäuren grössere Aufmerksamkeit als bisher zu schenken, zumal, da die Methode, die ich hier nur im Prinzip angebe, eine ausserordentlich einfache ist. Man destillirt nach dem Vorgange von Liebig, Salkowski u. a. einen bestimmten Theil des Urins mit verdünnter Schwefelsäure und titrirt das Destillat mit 1/lo Normallauge. Das einzige, was als Säure noch mit titrirt werden kann, sind Spuren von Benzoösäure, doch diese kommt beim Menschen so selten und in so geringen Mengen in Betracht, dass ich sie hier füglich übergehen kann. Sonst ist nur noch eine Vorsichtsmaassregel zu gebrauchen. Es darf nur frischer Ham, resp. unter Chloroformzusatz aufgefangener verwandt werden, da, wie Salkowski zeigte, im ammoniakalisch gewordenen Hamne die Menge der flüchtigen Fettsäuren sich 6-15mal durch Zersetzung der Kohlehydrate vermehrt. Ferner darf nicht zu weit abdestillirt werden,3) da sonst HC1 ins Destillat übergehen kann. Dies kann an einer Probe mittels Silbemnitrat untersucht werden. Bei der als Maass angenommenen Charitékost ergaben sich für die flüchtigen Fettsäuren Säurewerthe von 50-80 cm auf l/io Normaischwefelsäure berechnet, als normal. Natürlich ist die Menge der flüchtigen Fettsäuren bis zu einem gewissen Grade von der Nahrungszufuhr abhängig. Theoretisch können die flüchtigen Fettsäuren ebenso gut aus dem Eiweiss, wie aus den Kohlehydraten und aus den Fetten stammen. Zur Entscheidung dieser Frage liegen schon Versuche vor, die aber nicht alle im Einklang mit einander stehen. ') Vortrag, gehalten im Verein f9r innere Medizin in Berlin am 5. Januar 1903. Die Litteraturangaben sowie die Tabellen werden in der ausführlichen Veröffentlichung in der Zeitschrift für klinische Medizin publizirt werden. 250 ccm Ham werden mit 50 ccm verdünnter H2SO versetzt, und davon 200 cern abdestillirt. Der Rückstand im Destillationskolben wird mit 200 cern RIO auf sein ursprüngliches Volumen gebracht und dieses dann wieder abdestillirt.
doi:10.1055/s-0028-1138376 fatcat:bjhatdywlnbyvkimbser5yonii