Histologische Untersuchungen der endokrinen Drüsen bei Psychosen

N. C. Borberg
1921 Archiv für Psychiatrie und Nervenkrankheiten  
Wenn man versucht, die Literatar zu sammeln~ welche sieh mit der Histo']ogi e der endokrinen Drtisen bet Psychosea beschiiftigt, kann es einem nieht entgehen, yon ihrer nach den reichen produktiven Verhaltnissen der Jetztzeit erstaunlichen Sparsamkeit fiberraseht zu werden. Dies fiillt um so mehr auf, da die mikroskopisehen Untersuchungen sonst yon den Psychiatern mit ausserordentlicher Energie betrieben warden. Die isolierte Hirnhistologie hat uns doeh keineswegs befriedigen kSnnen, sie hat
more » ... wohl eine Menge morphologisehe Einzelheiten ge-bracht~ hat aber die Grundfragen nieht gelSst; sie hat uns nicht auf neue Forschungsbahnen hinleiten kSnnen, ja, man kiinnte vielleieht sagen, dass sie in einem unverhaltnismassigen Grade Zeit und Interesse gefesselt hat. Man ist sozusagen unbewusst davon ausgegangen, dass das Gehirn der Hauptsitz der Krankheit sein mtisste, obgleich es ein w.ohlbekamltes Phanomen ist, dass psychische StSrungen bet allen mSgliehen Erkrankungen --mit Sitz ganz anderwo --gefunden werden. Alles in allem kann "Psychose" wohl kaum ftir mehr als ein Symptom gerechnet werden --oder ein Symptomenkomplex --, gleichgestellt mit Fieber, Albumiharie und Milzsehwellung bet den Infekti~onen, mit Koma bet ehroniseher Nephritis, Diabetes usw., es ist aber ein Symptom, das sehr suggestiv und dominierend auf den Beobachter wirkt. Hatten z. B. die Diabetesforseher mit entspreehender I-Iartni~ekigkeit den Gedanken festgehalten, dass die Nieren der Sitz der Krankheit sein mtissten, weil sie den Zueker im Ham ausscheiden, so kSanten wir noch immer
doi:10.1007/bf02029664 fatcat:yui3cbuxkffw3dcspl5yvzqiaq