Business Crime Control. Durch organisierte Aufklärung gegen Wirtschaftsverbrechen

Hans See
1991 Kritische Justiz  
I. Vorbemerkung: Am 22. März 1991 wurde in Hanau am Main die gemeinnützige Organisation BUSINESS CRIME CONTROL (BCC) gegründet. Nach ihrem Selbstverständnis will sie Trägerverein sein für ein so schnell wie möglich auf-und auszubauendes Dokumentations-und Informationszentrum zur Aufklärung über Wirtschaftsverbrechen im weitesten Sinne. I 2. Warum eme Orgamsation wie BUSINESS CRIME CONTROL? Es fehlt an öffentlicher Aufklärung. Einige Medien, die sich großer Verdienste bei der Aufdekkung von
more » ... Aufdekkung von Wirtschafts delikten rühmen dürfen, können die Fälle und ihre rechtliche Abwicklung nicht systematisch verfolgen und die notwendigen wissenschaftlichen Analysen nicht liefern. Systematische Aufklärungsarbeit können sie nicht betreiben. Es gibt außerdem nur schwer zu überwindende ideologische Erkenntnisschranken in vielen Bereichen der Gesellschaft. Daraus resultieren eine Reihe von wissenschaftlichen Defiziten auf dem Gebiet der Erforschung von Wirtschaftsverbrechen. Die Verbreitung von kritischen Erkenntnissen und die politische Umsetzung notwendiger Maßnahmen stößt auf zahlreiche Hindernisse. BUSINESS CRIME CONTROL versteht sich als eine Organisation, die auf der Grundlage einer aufzubauenden Datenbank -selbstverständlich unter Beachtung des Datenschutzgesetzes -systematisch und kontinuierlich über Ursachen, Entwicklungen, Kosten und sonstigen Folgeschäden von Wirtschaftsverbrechen aufklären und sich für die eingeschränkten Rechte von Opfern einsetzen will. 3. Gesellschaftliche ErkenntmsdeJizlte: Tatsache ist, daß Wirtschafts verbrechen einen weitaus größeren materiellen und ideellen Schaden anrichten als alle »normalen« Eigentumsdelikte zusammen.' Das ist allerdings nur Fachkreisen bekannt. Es gibt freilich auch noch keine entwickelte Forschung über die sozialen Folgeschäden von Wirtschaftsverbrechen. 3 Die statistische Erfassung von klar definierten Wirtschaftsstraftaten nach einheitlichen Gesichtspunkten in Deutschland war einmal ein Ziel der sozialliberalen Koalition. Daher ist sie besser als in anderen Staaten Europas, wo es zum Teil noch überhaupt kein entwickeltes Wirtschaftsstrafrecht, geschweige denn eine statistische Aufarbeitung von Delikten und Schäden gibt. Von anderen Staaten der Welt ganz zu schweigen. Lediglich die USA haben hier einen verwertbaren Forschungsstand erreicht. Aber die »Bundesweite Erfassung von Wirtschaftsstraftaten nach einheitlichen Gesichtspunkten« ist seit der politischen Wende von 1982/83 schon wieder im Abbau begriffen. 4 Die von Karlhans Liebl herausgegebenen Ergebnisse und Analysen von Wirtschaftsstraftaten für die Jahre 1974 bis 1981 sind zwar aufschlußreich, sagen aber nichts aus I Zum VorSItzenden wurde der Verfasser dieses Artikels gewählt. Zweiter VorSItzender Ist Dieter Schenk, vorzeitig aus dem Dienst ausgeschiedener Knmmaldirektor beim Bundesknmmalamt und Autor des politischen Tatsachenromans »BKA -ReISe nach Belrut", Rembek bel Hamburg, 1990. 2 Vgl. Karlhans Llebl, Die Bundesweite Erfassung von Wirtschaftsstraftaten nach emheltlichen GeSichtspunkten, Knmmologlsche Forschungsbenchte aus dem Max-Planck-InStItut für ausländisches und mternatlonales Strafrecht Freiburg I. Br., Freiburg 1984, S.619 und ders.: Wirtschaftsknmmalität als Gegenstand von Forschung und PraxIs, m: aus politik und zeitgeschichte, beilage zur wochenzeitung das parlament, B 11 /8 5, paSSIm. 3 Zentrales Thema des Buches: Hans See, Kapital-Verbrechen, Die VerWirtschaftung der Moral, Düsseldorf '990. 4 Jürgen Saligmann, Freie Hand für Wirtschaftsknmmelle? TV-Sendung der Studiowelle Saar, März 1987 (nach Mausknpt).
doi:10.5771/0023-4834-1991-2-238 fatcat:r7g2al6asneszmkcxwvl5p5biu