Neues zu Leben und Werk von Leonhart Fuchs aus seinen Briefen an Joachim Camerarius I. und II. in der Trew-Sammlung

Gerhard Fichtner
1968 Gesnerus  
Man hat Leonhart Fuchs im 16. Jahrhundert als neuen Galen und als neuen Dioskurides gefeiert*, in Anspielung auf sein medizinisches wie auf sein botanisches Werk. Wenn das auch panegyrischer Stil der Zeit ist, so lohnt es sich doch zu fragen, woher die Faszination rührte, die von Fuchs ausging. Eberhard Stübler hat mit seiner verdienstvollen Fuchs-Monographie 2 gezeigt, daß Fuchs den wissenschaftlichen Bestrebungen und Gedanken seiner Zeit einen besonders klar formulierten Ausdruck zu geben
more » ... sdruck zu geben vermochte und daß zum Verständnis des Fuchsschen Werkes die medizinischen Arbeiten ebenso zu beachten sind wie die botanischen. Wir möchten hinzufügen: auch die Korrespondenz, die Fuchs führte, ist in ihrer Unmittelbarkeit und Spontaneität eine Quelle ersten Ranges, um Person und Werk zu erfassen. Freilich ist es gegenüber der Fülle des gedruckten Werkes nicht eben viel, was von Fuchsens eigener Hand erhalten und bekannt ist®. Um so merkwürdiger erscheint es, daß die Briefe bisher kaum beachtet, geschweige denn ausgeschöpft wurden, die Fuchs an Joachim Camerarius d.Ä. (1500 * Vortrag, gehalten am 4. Januar 1968 beim V. Symposium der Gesellschaft für Wissenschaftsgeschichte e.V. in Düsseldorf. * Nicolaus Reusner: Icoues sive imagines virorum Ziteris i//us{rium quorum/hZeetcZoctriVia reZigionis et tonarnm Ziterarum sfucZia, nostra patrumque memoria, in Germania praesertim, in integrum sunt resfituta. [Etc.] Argentorati 1587, f. T[r] : Artem si medicam spectas, nouus ipse Galenus; Si plantas, nouus en exsto Dioscorides. * Eberhard Stübler, Leonhart Fuchs -Lehen und IFerh, München 1928 Münchner Beiträge zur Geschichte und Literatur der IVaturtoissenscha/fen und Medizin 13/14J. ® Neben dem gewaltigen Kräuterbuchmanuskript (vgl. dazu Kurt Ganzinger, Ein Kräuterbuchmanuskript des Leonhart Fuchs in der Wiener Nationalbibliothek, in Sudhojfs Arch. 43 (1959) 212-224) sind nur wenige Schriftstücke von Fuchs im Tübinger Universitäts-Archiv (im folgenden abgekürzt als UAT) und im Hauptstaatsarchiv Stuttgart (abgekürzt HStASt) bekannt, darunter ein Briefwechsel mit Herzog Christoph wegen der Besetzung der Leibarztstelle aus dem Jahre 1550 (HStASt A 20 B. 43).
doi:10.1163/22977953-0250102005 fatcat:2iod673ws5ebvc4br3cvdaeucm