Untersuchungen über das Verhalten der Serumglobuline bei Geisteskranken insbesonders bei Paralytikern

Rudolf Fabinyi
1921 Zeitschrift für die gesamte Neurologie und Psychiatrie  
Trotz der Zuverl~ssigkeit und der allgemeinen Verbreitung der W a s s e r m a n n s c h e n R e a k t i o n t a u c h t seit deren E n t d e c k u n g immeffort der Gedanke auf, ob diese verh~ltnism~l~ig komplizierte, mehrerlei und leichtver~nderliche Reagenzien erfordernde R e a k t i o n nicht dutch ein einfacheres chemisches Verfahren ersetzt werden kSnnte. W~hrend bei der Luesdiagnose der Ersatz der vcr~nderlichen und genau b e k a n n t e n biologischen Reagenzien durch fixe und
more » ... fixe und wohlbekannte chemische Reagenzien bezfiglich der Untersuchung des Blutserums bisher nicht gelungen ist, ffihrte dieses Streben bei dem Liquor (Nonne-Appeltsche, P~ndysche, W e i c h b r o d t s c h e usw. Reaktionen) bereits nahe zum Ziele. Da aber die Durchffihrung der L u m b a l p u n k t i o n nicht immer mSglich oder r a t s a m ist, wenden wir uns in der Praxis, ja sogar in der Irrenanstalt, eher zur Blutuntersuchung, d a die Venepunktion auch von Geisteskranken ein viel leichter geduldeter Eingriff ist, als die oft schmerzhafte P u n k t i o n der Rfickens~ule. Abgesehen yon frtiheren Versuchen lenkten die Aufmerksamkeit auf die sog. chemische Richtung neuerdings die Untersuchungen yon Bruckl). Die zuerst publizierto Salpeters~urereaktion land ich ebenso wie die zahlreichen Nachpriffer fur Lues nicht spezi~isch. (Aus 142 Seren Geisteskranker stimmte die Reaktion mit der Wassermannschen Reaktion nut in 76 F~llen tiberein.) Da zwischen der Salpeters~urereaktion und der Gesamtmenge der Blutglobuline kein bestimmtes Verh~Itnis ist --darauf zeigen unsere Untersuchungen im Gegensatz zu K~ m merer 2) --, ist es hSchst wahrscheinlich, dal~ bei dieser l~eaktion nicht nur die Globuline, sondern auch andere EiweiBk6rper (mSglicherweise auch nicht nur Eiweil3kiirper) des Blutserums mitbeteiligt sind. B r u c k 3) selbst mu~te dies zugestehen und wandte sich daher zu viel feineren globulinf~llenden Mitteln: zum Alkohol und zur Milchs~ure, mit Hilfe deren er mit tier WaR. viel mehr iibereinstimmende Resultate erzielen konnte, die neuerdings auch yon H i i b s c h m a n n a) best~tigt worden sind.
doi:10.1007/bf02892235 fatcat:gesduugwlrct7bxgabfbwqhzi4