Alte neue Islampolitik in Österreich? Eine postkoloniale Analyse der österreichischen Islampolitik

Farid Hafez
2018 Zeitschrift für Politik  
Seit den 1990er Jahren bilden die Postkolonialen Studien ein eigenes interdisziplinäres Forschungsfeld. Es hat seinen Ausgang in den Arbeiten dreier Literaturwissenschaft-lerInnen, Edward Said, Gayatri Spivak und Homi Bhaba, genommen, wurde jedoch von Anbeginn an in einem breiteren Wissenschaftskanon betrieben. Trotz der verspäteten Rezeption der postkolonialen Studien im deutschsprachigen Raum, 1 wurden postkoloniale Ansätze in nicht-literaturwissenschaftlichen Disziplinen wie Soziologie und
more » ... ographie rezipiert. 2 Im Gegensatz zu anderen humanwissenschaftlichen Disziplinen konstatierte Aram Ziai im Jahr 2012 ein von komplementären Defiziten geprägtes Verhältnis zwischen Postkolonialen Studien und Politikwissenschaft, 3 auch wenn er einräumt, dass manche Unterbereiche der angelsächsichen Politikwissenschaft, wo im Gegensatz zur deutschsprachigen Unterabteilungen wie die International Relations oder die Development Studies ausgelagert werden, nicht von der Ausblendung der Postkolonialen Studien betroffen sind. 4 So wurden in jüngster Zeit auch in der angelsächsischen Politikwissenschaft Rufe laut, dass in der Politikwissenschaft mehr postkoloniale Studienansätze Berücksichtigung finden sollten. Uday Chandra erinnert, dass bisher lediglich ein einziger politikwissenschaftlicher Titel explizit den Terminus der Postkolonialität aufnimmt. 5 2016 lieferte Ziai dann als Herausgeber eines Sammelbandes mit dem Titel Postkoloniale Politikwissenschaft. Theoretische und empirische Zugänge eine erste Antwort auf diese Lücke. 6 Bereits in seinem 2012 erschienenen Artikel identifizierte Ziai Migration und Migrationspolitik als einen von vier naheliegenden politikwissenschaftlichen Gegenstandsbereichen, die sich besonders für eine post-
doi:10.5771/0044-3360-2018-1-22 fatcat:vfx62do5tncrff3jwvc4issnje