Wie überschreibe ich diesen Beitrag mit einer aussagefähigen Überschrift?

Wolfgang Grohmann, Technische Universität Dortmund
2020
Die mit der Überschrift angedeutete Ratlosigkeit ist nicht nur Teil des hier vorgelegten Schreibprozesses, sondern durchzieht meinen Alltag als theoretisch interessierter mathematikdidaktischer Laie. Was ist und zu welchem Ende studiert man Mathematikdidaktik? Abgekürzt möchte ich mit einem Merksatz aus den frühesten Studientagen die damals kursierende Antwort geben: Didaktik fragt nach dem Was und Warum, Methodik fragt nach dem Wie und Warum. Ja, so einfach ist der Alltag eines
more » ... nes Mathematiklehrers an einer Grundschule, so einfach ist es auch als Vertreter der als schrecklich verschrienen Spezies, die für die Ausbildung junger Lehrkräfte in der zweiten Phase verantwortlich sind. Solange alle gestellten Anforderungen wenigstens ausreichend erfüllt sind, kann ich mein Leben nach 13 Uhr durchaus entspannt genießen. Allerdings ist der Genuss daran gekoppelt, dass die Frage nach dem Was und dem Wie beantwortet und die jeweiligen Fragen nach dem Warum einfach ausgeblendet werden. Beim Warum fängt der Ärger erst richtig an. Denn die Frage nach dem Warum stellt immer sofort alle Antworten auf die Frage nach dem Was und dem Wie in Frage. Das kann also durchaus auch vor 13 Uhr sehr unbequem werden. Vielleicht würde ich mich das gar nicht fragen, wenn die Kinder im Unterricht endlich mal täten, was sie tun sollen. Ich will nicht jammern, denn ein Großteil tut es. Blöderweise habe ich ein offenes Ohr und ein offenes Herz auch für diejenigen, die das Geschehen durch ihr Verhalten, durch ihre verqueren Gedanken und auch ganz direkt in Frage stellen. Noch blöderer Weise habe ich mir angewöhnt, sie als Indikatoren dafür zu betrachten, dass etwas am Geschehen nicht transparent ist, nicht logisch, nicht passend. "Einen Haushalt klein und fein hab ich angestellt, der soll mein Gast sein, dem es wohl gefällt" heißt es in einer von Carl Loewe wunderbar vertonten Ballade von Friedrich Rückert. Kaum habe ich mich meinem eigenen romantisch verklärten Bild entdeckenden und offenen Mathematikunterrichts, der dem Verstehens-Kodex verpflichtet ist, hingegeben, stehe ich vor mehreren Problemen, die ich bis 13 Uhr registriere, die ich nach 13 Uhr zu lösen beabsichtige, deren Lösung bis 7 Uhr vorliegen muss.
doi:10.17877/de290r-21334 fatcat:e3uujxvliffbraznvsuganjybm