Ueber "Euferrol"

1907 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
Bei chloro-anämischen Zuständen sind seit Jahrhunderten organische Eisenpräparate verordnet worden. Der wechselnde Erfolg ließ immer neue Präparate entstehen. Die meisten von diesen waren nur sehr begrenzt haltbar und wurden häufig schlecht vertragen, sodaß sie immer wieder ausgesetzt werden mußten. Dieselben Erfahrungen machte man mit den natürlichen Eisenwässern. Den besten Erfolg sah ich noch immer beim Gebrauch des Levicowassers, in dem die Eisenwirkung durch die des Arsens unterstützt
more » ... ns unterstützt wurde. Aber auch dieses natürliche Arseneisenwasser wird von sehr vielen Patienten auf die Dauer nicht vertragen; es ist beim Gebrauch wenig haltbar und schlecht schmeckend. Gelegentlich der Versammlung des deutschen Apothekervereins in Breslau im Sommer 1905, fand nun auch eine Ausstellung pharmazeutischer Präparate statt. Beim Anblick der vielen Eisenpräparate machte ich den Vertreter der chemischen Fabrik, J. D. Riedel, Aktiengesellschaft in Berlin, darauf aufmerksam, daß ein Eisenpräparat nur dann Anspruch auf Dauererfolg machen könne, wenn es haltbar wäre, Geschmack und Geruch nicht belästigte, leicht assimilierbar wäre und selbst vom schwächsten Magen gut vertragen würde Am meisten sei zu erwarten, wenn man sich an die wirksamen Bestandteile eines erprobten natürlichen Eisenwassers anlehne. Ich empfahl, als Ersatz des Levicowassers, dessen wesentliche Bestandteile in Kapselform herzustellen. Die Firma J. D. Riedel fertigte darauf ein Präparat in Gelatineform an, von dem jede Kapsel zirka 0,012 g Eisen in Form einer Oxydulverbindung und 0,00009 g arsenige Säure enthält, mithin in ihrer Zusammensetzung, mit Bezug auf Eisen und Arsengehalt, einem Eßlöffel Levico-Starkwasser entspricht. Als Vehikel wurde eine ölige Flüssigkeit gewählt, um die Oxydation der Eisenverbindung zu verhindern. Der Firma Riedel ist für das Präparat der Name "Euferrol" geschützt. Dieses Euferrol nun erfüllt alle Forderungen, die man an ein wirksames Eisenpräparat stellen muß. Es ist unbegrenzt haltbar, geruch-und geschmacklos und kann nach Lösung der Kapselwände im Magendarmkanal leicht zur Wirksamkeit gelangen. Die Wirkung wird durch die kleinen Arsenmengen noch erhöht. Wie gut es auch vom schwachen Magen vertragen wird, ersehen wir noch aus den praktischen Versuchen. Fall 1. Fräulein L., 18 Jahr, leidet an echter Ohiorose. Blasses Aussehen, andauernde Kopfschmerzen, Müdigkeit, Neigung zu Ohnmachten, hochgradige Arbeitsunlust bilden die Hauptsymptome. tisciii MEDIzfflIscH WOoflIll1csdHitF 1045 Am 15. November 1905 beginnt Patientin mit "Euferrol", erst acht Tage zwei, dann zweimal täglich zwei Kapseln. Nach acht Wochen ganz augenfällige Besserung aller subjektiven Beschwerden und frischeres Aussehen. Fall. 2. FräuleinZ., l7Jahr, leidet an hochgradiger Bleichsucht mit ständigen Kopfschmerzen, steter Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Brennen
doi:10.1055/s-0029-1203151 fatcat:5mmxj2c645d6zndb5gldyhfxtu