Praktische Ergebnisse der forensischen Serodiagnostik des Blutes (Schluss aus No. 37.)

1902 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
Dio erste Frage, die der gerichtliche Saohverständige bei der Blutuntersuchung zu beantworten hat, ist stets: handelt es sich iiberhaupt um Blut"? Im bejahenden Falle ist die zweite Frage zu beantworten: Stammt das Blut vom Menschen oder vom Thier, und von weichem Thier?" Ich und andere Autoren haben bereits früher gezeigt, dass die Serumreaktion auf Menschenbiut im allgemeinen für menschliches Eiweiss spezifisch ist; ich habe z. B. darauf aufmerksam gemacht, dass das Serum eines
more » ... ines Menschenblutkaninchens eine schwache Triibung auch in menschlicher Spermaflüssigkeit hervorruft; von Mertens ist der Nachweis geliefert, dass solches Serum eine Trübung auch in eiweisshaitigem menschlichen Urin erzeugt; auch ist bekannt, dass die Reaktion in Hydrocelen-und Ascitesilüssigkeüi u. s. w. positiv ausfällt. Schon aus diesen Thatsachen ergiebt sich die nothwendige Consequenz, dass das Blut als solches zunächst erkannt werden muss. Wenn auch nach der Vorgeschichte in vielen Fällen darüber kein Zweifel besteht, so ist doch der einzig sichere Weg, dies mit positiver Sicherheit zu beweisen, die chemische Untersuchung, wie sie von den gerichtlichen Sachverständigen mit den bekannten zuverlässigen Methoden bisher vorgenommen worden ist. Ich erinnere nur an die y. Deen'sche Guajacprobe und die Teichmann 'sehe Reaktion sowie die Untersuchung mit Hilfe des S p ek tral ap p ar ate s. ist durch diese Untersuchungen das Vorhandensein von Blut sicher erwiesen, so geht man zu der spezifischen Serumreaktion über. In jedem Falle durfte es sich dann empfehlen, zunächst festzustellen, ob das Blut vom Menschen herrührt. Bei negativem Ausfall der Reaktion wird man sich dann der Beantwortung der weiteren vom Richter gestellten Fragen zuwenden. Sehr zweckmässig ist es, dann zunächst eine Reaktion mit hochwerthigem Serum eines Hammelblutkaninchens anzustellen; aus dem völlig negativen Ausfall dieser Reaktion wird man schliessen können, dass es sich nicht um Hammel-, Ziegen-oder Rinderbiut handeln kann. Denn wie ich gezeigt habe, erzeugt das Serum eines Hammelblutkaninchens einen starken Niederschlag in einer Hammelblutlösung, einen etwas schwächeren und später auftretenden Niederschlag in einer Ziegenblut-und eine leichte, viel später auftretende Trübung in einer Rinderbiutlösung. Fällt die Reaktion positiv aus, so ist die Differentialdiagnose zwischen Hammel-, Ziegen-und Rinderbiut zu stellen, was nicht ganz leicht ist und nur dann gelingt, wenn man die nöthigen Controllen mit Hammel-, Ziegen-und Rinderbiut ais Vergleichsobjekte heranzieht. Ich wähle dazu und auch sonst als Controllen niemals frische Blutlösungen oder gar, wie einzelne Autoren, Serumlösungen, sondern stets aus angetrocknetem Blut mit physiologischer Kochsalzlösung hergestellte Blutlosungen, denn das zu untersuchende forensische Material ist ja fast ausnahmslos angetrocknetes Blut. Wenn ich auch dem Alter des Blutes für den schwächeren oder stärkeren Ausfall der Reaktion keine besonders wichtige Bedeutung beimesse, so benutze ich doch wenn angängig für die Controllen dem zu untersuchenden Blute ziemlich gleichaltes Material. Ich lasse daher von vier zu vier Wochen die hier vorkommenden steril entnommenen Blutsorten in Petri'schen Schalen an der Luft antrocknen und hebe dann das so angetrocknete Material in Reagenzgläsern auf. So kann ich aus meiner Blutsammlung immer gleichaites Material zar Herstellung der Controllblutlösungen benutzen, indem ich es in physiologischer Kochsalzlösung auflöse. Die Auflösung geht sehr schnell von statten, die Lösung ist stets absolut klar. Ein colorimetrischer Vergleich mit den zu untersuchenden in engen Reagenzgläschen befindlichen Blutlösurigen giebt dann eine ziemlich sichere Garantie für die gleichen Grade der Verdünnung. Die Lösungen werden so stark verdünnt, dass sie kaum noch gelblich gefärbt erscheinen; sie schäumen aber beim Schütteln noch recht stark, was ich als einen Beweis dafür betrachte, dass für die Anstellung der Reaktion genügend Eiweiss gelöst ist. Es werden als Controllen stets vier bis fünf so hergestellte Blutlösungen herangezogen. -Fällt nun die Serumreaktion auf Hammelbiut völlig negativ aus, so fährt man mit der Anwendung anderer spezifischer Sera zum Nachweis von Pferde-, Schweine. blut etc. fort, bis man zu positivem Ergebniss gelangt ist. Von ganz besonderer Wichtigkeit ist die Anwendung ho chwerthiger Sera; denn ich verlange, dass die Reaktion wenige Minuten nach dem Zusatz desselben so deutlich ist, dass beim Vergleich mit den stets völlig klar bleibenden Controllröhrchen nicht der geringste Zweifel bestehen kann. Es ist natürlich ganz selbstverständlich, dass jedes zu forensischen Zwecken zu verwendende Serum vorher auf seine Brauchbarkeit hin einer sorgfältigen Prüfung unterzogen wird, die meiner Ansicht nach unter staatlicher Aufsicht stattzufinden hat. Es werden zu diesem Zwecke möglichst zahlreiche, sehr dünne, kaum schwach gelblich gefärbte, aus angetrocknetem Blute hergestellte Blutlösungen der verschiedensten Thiere mit dem zu prüfenden spezifischen Serum versetzt, und zwar in einer Menge von etwa 1 : 40 bis 1: loo, je nach der Stärke des Serums. In der homologen Blutsorte muss sich dann nach wenigen Minuten eine starke Trübung entwickelt haben, während alle heterologen Blutlösungen -mit Aus-18. September. DETITSOBIE NIEDICflISCJ{ WOCBIENSCERIFT. 679 Heruntergeladen von: NYU. Urheberrechtlich geschützt.
doi:10.1055/s-0028-1138940 fatcat:rmuihdwzkvbhjggx6glza6zrte