Zur Anästhesirung schmerzhafter Wehen

S. Steinthal
1888 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
In No. 6 dieser Wochenschrift war nach den Comt. rend, de la soc. de bio]. berichtet, dass es L a get gelungen war, eine s ch m erzhafte G eburt einer fünfmonatlichen Frucht durch zwei Olystiere von je 2 g Antipyrin völlig schmerzlos zu machen. Nach einer am 20. d. M. gemachten Beobachtung kann ich diese Wirkung des Antipyrin durchaus bestätigen. Bei einer 25 jährigen Primipara, welche seit 20 Stunden etwa in Wehen lag, und bei der ich eine sehr langsame Dehnung der Muttermundsränder wahrnahm,
more » ... dsränder wahrnahm, verordnete ich, da sie die Schmerzen angeblich nicht mehr ertragen konnte und sich gar zu ungeberdig benahm, ein Clysma von 2 g Antipyrin auf 1 Tassenkopf Wasser, event, auch ein zweites Clysma. Es trat fast sofort Schmerzlosigkeit ein. Dieselbe hielt eine Stunde an, ohne dass die Contractionen des Uterus aussetzten. Das zweite Clystier war von der Hebamme in Folge eines Missverst'ándnisses nicht gereicht worden. 21/s Stunde nach der Application wurde die Kreissende behufs Zangenoperation chloroformirt. Die Narkose währte in Folge der Schwierigkeit der Extraction etwa 50 Min. und verlief ohne jede Störung. -Kisel (Petersburg) hat gefunden, dass die Darreichung von kleinen Dosen Phosphor gar keine vortheilhafte Wirkung auf das Wachsthum der Knochen hat, dagegen eine schädliche Wirkung auf die Entwickelung des Thieres. Die scheinbar leichte Störung der Verdauung kann ausserdem einen letalen Ausgang herbeiführen. (Lancet 24. December 1887). -Einen Fall von Verstopfung des Meatus externus des Ours durch einen Pilz, beschreibt Don Juan Salelles. Die Pilzmassen, welche aus dem Mycel und den Sporen des Aspergillus flavescens bestanden, hafteten so fest, dass jeder Versuch, sie mechanisch zu entfernen, ohne Erfolg blieb. Das Wachsthum des Pilzes wurde von heftigen Schmerzen und Entzündungserscheinungen begleitet. Durch Application von Alkohol und Tannin wurde die Masse so gelockert, dass sie am folgenden Tage ausgespritzt werden konnte. M. -Professor Dujardin-Beaumetz machte der Pariser socit de thérapeutique Mittheilung über die Injection und Einathmung von Schwefelsäure bei Lungenphthise. Zur subcutanen Injection wurden jedesmal 2 bis 3 ccni einer 0,6°/eigen Schwefelsäure enthaltenden Vaseline verwendet. Der Einfluss auf Husten, Auswurf, Schlaf wird als ein günstiger beschrieben. Die Inhalationen liess Dujardin-Beaumetz in folgender Weise vornehmen: In einem Zimmer von 25 cbm Rauminlialt wurden 250 g Schwefel verbrannt. Nach Ablauf einer Stunde wurden die Kranken in das Zimmer geführt und hielten sich alsdann darin 4 Stunden auf. Der Husten soll danach augenblicklich sçhwinden, der Appetit und Schlaf besser werden, der Auswurf seine eiterige Beschaffenheit verlieren. In einem Falle wurde sogar eine Hämoptoö durch diese Behandlung coupirt. D uj ar di n -B e a u metz lässt diese Inhalationen nur von kräftigeren Phthisikern gebrauchen, betrachtet jedoch das Vorhandensein von Cavemen in den Lungen als keine Contraindication. S. W. -Dr. Mai Naughton beschreibt im British Med. Journal vom 3. September 1887 die Fabrikation antiseptischer Cigarretten, die er zur Heilung von Krankheiten des Pharynx und der Nase mit Erfolg gebrauchen liess. Er nahm dazu entweder 1. Eucalyptus und Jodoform mit Vanillin, 2. Jodsalicyl mit Eucalyptus, 3. Huflattig und Jodoform mit Vanillin, 4. Tabak, Eucalyptus, Jodoform und Kaffee. Jede Cigarrette enthielt 0,06 der wirksamen Substanz. Dem Jodsalicyl gab er den Vorzug, weil dieses weniger riecht und beim Rauchen Jod entwickelt, das die niederen Organismen tödtet. Man kann jedoch auch der anderen Cigarretten sich mit Vortheil bedienen, wenn man dem Jodoform genügend Vanillin, Cumarin oder Kaffee hinzusetzt, da der entstehende Rauch sehr angenehmen Duft verbreitet.
doi:10.1055/s-0029-1207795 fatcat:scwzw5g54vg7noiq4ev7cmja4y