Die Thermik der Klingenberger Talsperre in Sachsen

Wilhelm Halbfaß
1920 Internationale Revue der gesamten Hydrobiologie und Hydrographie  
Mit 2 Figuren im Text. E. Thienemann, jetzt Leiter der Biologischen Station in Plon , hat meineswissens zuerst au€ das eigenartige thermischeverhalten der kunstlichen Talsperren hingewiesen , das dadurch begriindet ist, daD ihr AbfluD nicht, wie bei den natiirlichen Seen, von der Oberflache aus erfolgt, sondern in einer gewissen Tiefe, wodurch nur das unterhalb des AbfluBstollens befindliche Tiefenwasser der Sperren sich wie ein natiirlicher See verhalt, wahrend die oberhalb desselben
more » ... desselben befindliche Wassermasse ihren AbfluB von unten aus erfahrt. Dadurch tritt nach den Beobachtungen Thienemanns an westfalischen Talsperren im Sommer eine starke Erwarmung der Wasserschichten am Grundq im Winter dagegen eine starke Abkiihlung ein, wahrend in natiirlichen Seen gleicher Tiefe diese Schichten meist eine recht konstante Temperatur besitzen. So zeigte im August 1910 das Weinfelder Maw in 51 m Tiefe 5,0°, die gleichtiefe Urfttalsperre dagegen ?',lo, das 20 m tiefe Holzmaar am Grunde 6,1°, die Oestertalsperre in gleicher Tiefe dagegen 13,5'. Auch die Sprungschicht zeigt, weil durch die Stollen in der Tiefe fortwahrend das kaltere Tiefenwasser abgezogen wird, sehr verschiedene Verhaltnisse, im September 1909 war der Teaperaturunterschied zwischen der untersten 18-23 m tiefen Wasserschicht und der Oberflache meist nur etwa 1,5O, und die im Juni entstandene Sprungschicht war langst wieder verschwunden. Infolge des sehr ungleichen Wasserstandes der Talsperren in den verschiedenen . Jahreszeiten fehlt an. diesen nicht nur die fiir das I) Hydrobiologische und fischereiliche Untersuchungen an den westfilischen Talsperren. Landwirtschaftl. Jahrbficher. Berlin 1911.
doi:10.1002/iroh.19200090111 fatcat:shp3hgkvzvbzzfc7xelpf5yzdu