Translokalität und Identität

Martin Sökefeld
1999
Rorhenbaumchaussee 64a, 0 -201 4S llamburg Einführung: Lokalität und Translokalität Ethnologie gilt in vieler Hinsicht als eine Wissenschaft vom Lokalen. Ethnologen arbeiteten traditionell in der Regel an relativ eng umgrem.ten Orren (dem "foeld"), sie zeichnen "lokales" Wissen auf, und auch generelle theoretische Debatten werden oft in bestimmten Räumen lokalisiert (Appadurai L986). Die selbstreflexive Ethnologie seit den achtziger Jahren hat damit begonnen, diese "Lokalität" der Ethnologie
more » ... stärkt zu problematisieren und sie als et\vas zu hinrerfragen, das nicht einfach dmch den Unrersuchungsgegensrand der Disziplin gegeben ist, sondern das von Ansätzen, Konzepten und Repräsentationsstrategien der Ethnologie m.itkonsriruiert wird (vgl. Clifford 1997; G upta und ferguson 1992). Die ehemals fest erscheinenden GrellZen ethnologischer Lokalirären werden aber nicht nur vom reflexivem Infragestellen gesprengt, sondern auch von den Untcrsuchungsobjcktcn selbst, die sich nicht länger auf die zugwieseneo .,rraditionellen" One beschränken lassen. Das von Ethnologen stets selbstverständlich in Anspruch genommene Privileg des Rcisens an andere One, welches die Ethnologen von ihren lokalisierten Objekten unterschied, begründet nun keine Differenz mehr. Diejenigen, die von Ethnologen uneersucht werden, sind selbst höchst mobil geworden, wenn sie sich auch in der Regel wuer anderen Vor;.eichen, mit anderen Motivarianen und Begründungen bewegen als ihre Erforscher. So wird es für die Ethnologie im mer schwieriger, Lokalitäten im Sinne vo n (Untersuchungs-) .. Feldern" abzugrenzen, lnw. Untersuchungen auf ein bcsri.mmtes • Für die großzügige Förderung der Feldforschung in G ilgir, Nordpakisran, .1uf der die empirischen Daten des Texres beruhen, danke ich der De1aschen ForsdmngsgemcinschafL Dem ~monymen Rezensenten der ZfE danke ich für seine ausführlic:lu.: Kritik und seine zahlreichen Anregungen.
doi:10.5282/ubm/epub.32068 fatcat:fvnhgwih5bhknj3ycwptuasszm