Molekulare Antibiotikaforschung – Neue Leitstrukturen undWirkmechanismen gegen multiresistente Bakterien [chapter]

Heike Brötz-Oesterhelt, Peter Sass
2021 Neues aus Wissenschaft und Lehre der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf 2010  
Die Entdeckung, Entwicklung und klinische Anwendung von Antibiotika ist eine der größten medizinischen Fortschritte des 20. Jahrhunderts. Die "Wunderwaffe" Antibiotikum trug maßgeblich zur Steigerung der Lebenserwartung und Lebensqualität in den entwickelten Ländern bei und ermöglicht in der modernen Medizin komplexe chirurgische Eingriffe und Organtransplantationen. Die Erfahrungen der letzten 70 Jahre zeigen jedoch, dass wir uns nicht auf diesen Errungenschaften ausruhen dürfen. Die
more » ... jeder neuen Antibiotikaklasse führt, sofern sie effektiv und verträglich ist, zu verbreitetem Einsatz und als Folge zur Resistenzentwicklung innerhalb der Bakterienpopulation. 1 Die Zahl der für den Menschen zugelassenen Antibiotikaklassen ist begrenzt, und für alle Klassen haben sich bereits Resistenzen klinisch manifestiert (Abb. 1). Multi-resistente Erreger stellen behandelnde Ärzte und Infektiologen in Krankenhäusern weltweit vor massive therapeutische Herausforderungen, und Infektionskrankheiten, von denen man glaubte, dass sie sich gut antibiotisch kontrollieren lassen (zum Beispiel die Tuberkulose), verbreiten sich wieder. 2 Zunehmend muss auf Reserveantibiotika zurückgegriffen werden, die oft mit erheblichen Nebenwirkungen belastet sind, und manche Erreger sind bereits pan-resistent, das heißt durch kein zugelassenes Antibiotikum mehr therapierbar. Als neuer alarmierender Trend verbreiten sich solche Problemkeime nun auch außerhalb der Krankenhäuser. Die problematischsten bakteriellen Erreger in Hinblick auf Infektionsraten, assoziierte Erkrankungen und die Standardtherapie beeinträchtigende Resistenzfaktoren umfassen in entwickelten Ländern Methicillin-resistente Staphylokokken (MRSA), Vancomycin-resistente Enterokokken (VRE), Extended-Spektrum β-Laktamase produzierende Enterobacteriaceen, Pseudomonas aeruginosa und Acinetobacter baumannii. 3 Antibiotika, die im letzten Jahrzehnt zugelassen wurden (Linezolid, Daptomycin, Tigezyklin und Telavancin), haben die kritische Lage bezüglich Gram-positiver Keime für den gegenwärtigen Zeitpunkt etwas entspannt, jedoch gibt es auch in diesem Therapiesegment weiterhin besonderen Bedarf an Substanzen mit oraler Bioverfügbarkeit und guter Gewebepenetration. Alarmierend ist die Situation für die genannten Gram-negativen Keime, da neue Verbindungen mit guter Wirkung gegen multi-resistente Gram-negative Erreger in den Forschungs-und Entwicklungspipelines pharmazeutischer Unternehmen 1
doi:10.1515/9783110720051-020 fatcat:itt7p3xovjh7xnuqpkywfvtlqi