Neue Forschungsergebnisse über Pneumonie1)

F. Neufeld
1922 Deutsche Medizinische Wochenschrift  
Die neuen Fórtschritte auf dem Gebiet der Pneumokokkenkrankheften, über die nachstehend berichtet werden soll, verdanken wir fast ausschließlich den Gelehrten des Rockefefler-Instituts, deren ausgezeichnete, in den Jahren 1912-1920. erschienene Arbeiten bei uns noch nicht genügend bekannt geworden sind. Soweit es sich um die Serumtherapie handelt, knüpfen diese Untersuchungen in einigen Punkten an die von mir n gemeinsamer Arbeit mit Händel 1909 bis 1912 im Kaiserlichen Gesundheitsamt
more » ... dheitsamt 'ausgeführten Arbeiten über Pneumokokkenheilserum an. Ausgehend 1Ón dem Gedanken, daß gerade bei der menschlichen Pneumonie, bei der sich die mächtige Wirkung der beim natürlichen Ablauf der Krankheit entstehenden Immunstoffe in der Krisis auf das dentlithste offeúbart, eine Serumtherapie Erfolg haben müsse, sobald es nur gelänge, dem I<ranken die richtigen Antikörper frühzeitig in genügender Menge zuzuführèn, kamen wir damals zu folgenden Ergebnissen 2). Die Wirkung des Pneuinokokkenserums ist durchaus an bestimmte quantitative Verhaltnisse gebunden, es wirkt sowohl bei der Pneumokokkensepsis der Mäuse und Kaninchen wie bei der experimentellen Bronchopneumonie der Meerschweinchen nicht -wie das Diphtherieantitoxin und, innerhalb gewisser Grenzen, das Choleraysin ini Pfeifferschen Versuch -nach dem Gesetz der multiplen Proportionen, sondern nach dem Grade der Verdünnung im Tiericörper, sodaß z. B. zum Schutz gegen eine annähernd gleich schwere lñfektion ein 200 g schweres Meerschweinchen 10mal, ein 2 kg schweres Kaninchen 100mal mehr. Serum braucht als eine 20 g schwere Maus. Unterhalb einer gewissen Verdünnungsgrenze, die Wir als Schwellenwert" bezeichneten, hort die Wirkung uberhaupt auf. Hiernach, speziell auf Grund der Versuche an pneumonischen Meerschweinchen, berechneten wir die für den Menschen notwendige ivtenge von unserem Serum auf mindestens 75 .ccm, die im Beginn der Krankheit und zwar intravenos gegeben erden mußten Um dabei die Gefahr der Anaphylaxie zu vermeiden, schlugen wir vor, der intravenösen Einspritzung die subkutane Injektion einer -kleinen Serummenge vorangehen zu lassen,. ein Vorschlag, der später von B e s r e d k a u. a. aufgenommen worden ist.
doi:10.1055/s-0028-1132670 fatcat:u22ldxsapze3tfxaufdryzxdpi