25 Jahre Arzneimittelsynthese

A. Eichengrün
1913 Angewandte Chemie  
Ein merkwiirdiger Zufall hat es gefiigt, daB wir auf der diesjahrigen Tagung nicht nur daa 25jahrige Jubilaum des Vereins deutscher Chemiker feiern, sondern auch dasjenige der planmaBigen Synthese neuer Arzneimittel und damit das Jubilaum des Bestehens der modernen pharmazeutischchemischen Industrie. Noch ei enartiger ist dies Zusammentreffen dadurch, w e 1 c h e m aus diese neue Arbeitsrichtun ihren Ausgang nahm, namlich in Freiburg, und daB liejenigen Fachgenossen, die damalswenn auch
more » ... lswenn auch unbewurjtden Stein ins Rollen brachten, heute in unserer Mitte weilen. Es war im Jahre 1887, als der junge Leiter des Laboratoriums der Elberfelder Farbenfabriken, Dr. C a r 1 D u i sb e r.g , den wahrend der Ferien in seinem Laboratorium arbeitenden Dr. 0 t t o H i n s b e r g zu Vcrsuchen ver-anlaDte, das Paranitrophenol in ein Derivat des Acetanilids u berzuf uhren. 30 OOO k Paranitrophenol lagerten, in alte Petroleum-Elberfelder Fabrik, und immer groner wurden die Vorrate an diesem wertlosen Nebenprodukt des Dianisidins. Es war dies um die Zeit, als durch eine eigenartige Verwechslung mit dem ihm LuBerlich so ahnlichcn Naphthalin in der K o p pschen Apotheke in StraBburg die starke fieberherabsctzende Wirkung des Acetanilids erkannt wurde. Mit Windeseile flog die Kunde von den uberraschenden Eigenschaften dieses so lange schon bekannten Korpers durch die wissenschaftliche Welt, und zum ersten Male wurde so im Jahre 1887 dem Chemiker die Offenbarung zuteil, daB es moglich sein wiirde, nicht nur durch die komplizierte Synthese chininartiger ringformiger Basen, sondern auch aus leicht zuganglichen Korpern von einfachen Konstitutionsformeln F i e b e r m i t t e 1, A r z n e i m i t t e l , H e i l m i ' t t e l zu schaffen. Begierig griffen D u i s b e r g und H i n s b e r g die neue Idee auf; bald war die Frage gelost und, nach Freiburg zuriickgekehrt, ubergab H i n s b e r g.. dem dortigen Professor der Pharmakologie K a s t das Athoxyacetanilid zur Feststellung seiner physiologischen Eigenschaften. K a s t s Versuche erwiesen alsbald, daB das neue Praparat nicht nur ein ebenso gutes, sondern vor allem ein wesentlich ungefahrlicheres Fiebermittel sei als das Antifebrin. So erblickte das P h e n a c e t i n und in ihm das erste synthetische Fiebermittel der aromatischen Reihe hier in Freiburg das Licht der Welt. Im gleichen Jahre war es inzwisohen K n o r r gelungen, das von ihm dargestellte vermeintliche Chinolinderivat A n t i p y r i n , das infolge seiner hypothetischen Beziehungen zum Chinin schon 1885 von F i 1 e h n e als Antipyreticum erkannt worden war, a h eiqen P-yrazolonabkommling zu identifizieren, und damit war der dreifache Beweis geliefert, daB im Gegensatz zu allen bisherigen Anschauungen eine antipyretische Wirkung weder von einem hydrierten Chinolinkern, noch von dem Vorhandensein einer Oxymethylgruppe abhangig sei. DaI3 diese neuen Fiebermittel auch tatsachlich wertvolle Arzneimittel waren, das konnten sie bereits in den folgenden Jahren zeigen, als sie gemeinschaftlich zur Be-1) Vortrag gehalten vom Vorsitzenden der medizinisch-pharmazeutischen Fachgrup e auf der Hauptversammlung des Vereins deutecher Chemiker in Leiburg i. R. am 31.j6. 1912 (vgl. diese Z. Rs, 1182 [1912].) daB wir die B eier gerade in d e m Orte begehen konnen, von fiisser und L halter aller Art verstaut, auf dem Hofc der Ch. 1813. A. zu h'r. 7.
doi:10.1002/ange.19130260701 fatcat:olkfaffvuncvlhlef3mt6se6um