UML4ALL: Gemeinsam in Diversity Teams Software modellieren – Für Menschen mit und ohne Seheinschränkung

Karin Müller, Vanessa Petrausch, Gerhard Jaworek, Jörg Henß, Stephan Seifermann, Claudia Loitsch, Rainer Stiefelhagen
2017
Das gemeinsame Entwerfen von UML-Modellen durch Personen mit und ohne Seheinschränkung ist durch die aktuell vorhandenen Werkzeuge und Modellierungssprachen nur eingeschränkt möglich. Grund hierfür sind unter anderem Werkzeuge wie Eclipse, die nur bedingt barrierefrei bedienbar sind und Modellierungssprachen wie z.B. PlantUML, die die Anforderungen für eine barrierefreie Nutzung nur teilweise erfüllen. So können blinde Software-Entwicklerinnen und -Entwickler zwar mit Eclipse und den
more » ... en UML-Plugins grafische Modelle erzeugen, diese jedoch nicht mit einem Screenreader lesen. Im Rahmen des Cooperate-Projektes wurde ein Kooperationswerkzeug entwickelt, das je nach Arbeitsweise eine textuelle oder grafische Modellierung erlaubt. Änderungen werden synchron gehalten. Für die textuelle Modellierung von UML-Diagrammen wurde mit UML4ALL eine textuelle Syntax entworfen, die ohne die Nachahmung von visuellen Elementen durch ASCII-Zeichen auskommt und der Arbeitsweise von Menschen mit Blindheit beispielsweise durch die Verwendung einer Präfixnotation entgegenkommt. Diese neue Sprache hilft nicht nur Menschen mit Seheinschränkung, sondern allen, die Modelle textuell entwerfen möchten. Das beschriebene Vorgehen lässt sich auch auf andere grafische Notationen übertragen. Um den Einstieg in die UML, in UML4ALL, in PlantUML und in die Entwicklungsumgebung Eclipse zu erleichtern, wurden Schulungsmaterialien erstellt, die mit Hilfe von taktilen Grafiken, textuellen Beschreibungen und Einführungstexten die unterschiedlichen Themen näher erläutern. Alle bisher entwickelten Inhalte inklusive einer ersten Version des Kooperationswerkzeugs wurden von Personen mit Seheinschränkung getestet und zur Verbesserung der Materialien verwendet. Einleitung 2008 trat die UN-Konvention [1] über die Rechte von Menschen mit Behinderung in Deutschland in Kraft. Sie sichert Menschen mit Behinderung das Recht auf Arbeit in einem offenen, inklusiven und zugänglichen Arbeitsumfeld zu. Dies umfasst auch die Verpflichtung der Vertragsstaaten, angemessene Strukturen zu schaffen, um möglichst alle Arbeitsgebiete -auch den Bereich der Informationstechnologie -zugänglich zu machen. In der Informationstechnologie (IT)-Branche ist der Bedarf an Fachkräften hoch und es herrscht Konsens darüber, dass es insbesondere in der Softwareentwicklung, einen Fachkräfte-Engpass gibt. In einer Analyse aus dem Jahr 2013 wurde "die durchschnittlich abgeschlossene Vakanzzeit (Niveau und Veränderung) als auch das Verhältnis der Zahl der Arbeitslosen zur Zahl der offenen Stellen" herangezogen [4]. Dabei ist im Bereich der Informatik und Softwareentwicklung eine Tendenz einer steigenden Vakanzzeit von 2012 auf 2013 erkennbar [2]. Generell wurde die Bedeutung der IT für weitere Branchen und somit ein steigender Bedarf an Fachkräften, beispielsweise zur Datenanalyse mittels Big Data Technologien und dem Aufbau von Know-How zur Stärkung der eigenen Wettbewerbsfähigkeit und Effizienz, bereits branchenübergreifend im Jahr 2012 belegt [3]. Im IT-Bereich bietet insbesondere die Software-Entwicklungsbranche für Menschen mit Sehschädigung gute Beschäftigungsmöglichkeiten, da viele Teile der Softwareentwicklung wie das traditionelle Programmieren mittels Editoren, Debuggern und Compilern prinzipiell textbasiert erfolgen können und damit durch die Entwicklung der Screenreader-Technologien zugänglich sind. Screenreader sorgen dafür, dass Inhalte auf einem Bildschirm entweder vorgelesen oder über die Braillezeile erfassbar werden. Seit vielen Jahren kommen in der Softwareentwicklung jedoch verstärkt grafische Modellierungswerkzeuge zum Einsatz, die den Standards der Barrierefreiheit nicht genügen und mit bisherigen Methoden von Menschen mit Seheinschränkung nicht sinnvoll
doi:10.5445/ir/1000123984 fatcat:sq7cepr74bb4dk3sl4q7tc3mpe